Einige Versicherung bieten Apps an, mit denen an der sogenannten Telemedizin teilgenommen werden kann. Die Telemedizin ist ein Sammelbegriff, der Diagnostik, Therapie und Rehabilitation, die ärztliche Beratung über die Entfernung hinweg ermöglichen soll.1 Mittlerweile können Krankschreibungen von bis zu sieben Tagen vorgenommen werden, was auch der Covid-19 Pandemie geschuldet ist.2 Auch einige Maßnahmen der Ergo- und Logopädie können als Videobehandlung durchgeführt werden.3
Kurzum: Es kann den Gang zum Arzt sparen, da dieser virtuell stattfindet. Für regelmäßige Rezepte, Krankschreibung, die Fortschreibung von Kontrazeptiva (Verhütungsmittel) oder Nachbesprechungen können sich so Vorteile ergeben. Auch im Ausland sowie auf Dienstreise wird eine höhere Unabhängigkeit geschaffen.
Einen Beitragsvorteil können Versicherte durch wearables (=Computertechnologien am Körper)4 oder Apps zurzeit noch nicht erwarten, da es noch nicht mit der Kalkulation der PKV vereinbar ist.5
Einige Versicherungen bieten deshalb den – teils kostenpflichtigen, teils kostenfreien Abschluss – entsprechender Apps an. Der Abschluss kann unabhängig vom Haupttarif sowie bei einer anderen Gesellschaft erfolgen. Ist der Kunde nicht nur mit der Telemedizin, sondern einem Haupttarif Kunde, entfallen die Gebühren für die Telemedizin oft, beispielsweise bei der Barmenia6 oder ARAG.7
An den Datenschutz sind strenge Anforderungen gestellt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte stuft die Apps als digitale Gesundheitsanwendungen (DiGa) ein,8 für die hohe Hürden gelten. D. h. aufgrund der sogenannten Chinesischen Mauer erfährt Ihre PKV nicht, was Sie mit dem Arzt bei der Telemedizin besprechen. Daher erfolgt die Freigabe für bestimmte Facharztgruppen nur stückweise. So zum Beispiel im Jahr 2022, wo die digitale Psychotherapie via Tele-Medizin für PKV-Versicherte ermöglicht wurde.9 Daher laufen auch andere Projekte nur schleppend an, bspw. das E-Rezept, welches bereits Ende 2021 hätte eingeführt sein sollen.10
In anderen Ländern ist es einfacher. So haben es im Jahr 2023 in den USA (Freenome) sowie im UK (Babylon) die ersten Gesundheits-Startups zu über einer Milliarde Investorengeld gebracht, während die größte dt. Investition auf Rang 29 mit ~190 Millionen Euro liegt.11
Quellenangaben
- „ohne Datum“, Aufruf 2021-04-19 Bundesärztekammer – Telemedizin https://www.bundesaerztekammer.de/aerzte/telematiktelemedizin/telemedizin/
- 2020-08-14 Die Nachteile von Gesundheits-Apps und Telemedizin https://www.pfefferminzia.de/digitalisierung-die-nachteile-von-gesundheits-apps-und-telemedizin/
- 2022-10-10 Haufe Online Redaktion – Ergotherapie seit Oktober wieder per Video möglich https://www.haufe.de/sozialwesen/leistungen-sozialversicherung/ergotherapie-per-video_242_576850.html
- 2019-01-07 Gabler Wirtschaftslexikon – Definition: Was ist „Wearables“? https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/wearables-54088/version-368816
- 2018-04-26 DAV-Pressegespräch – Verhaltensbasierte Tarifkalkulation in der privaten Krankenversicherung – S. 3 https://aktuar.de/Dateien_extern/DAV/Pressemappen/2018_04_26_JPK_Kalkulation_PKV.pdf
- Barmenia Krankenversicherung AG – Telearzt: Barmenia MediApp-Tarif https://www.barmenia.de/deu/bde_privat/bde_produkte_privat/bde_gesundheit/zusatzversicherungen/telearzt_3/mediapp_tarif.xhtml
- 2017-03-02 ARAG Krankenversicherungs-AG – ARAG Krankenversicherung ermöglicht ärztliche Videoberatung für ihre Kunden https://www.arag.com/de/presse/pressemitteilungen/group/00345/
- „ohne Datum“, Aufruf 2021-12-09 Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte – Digitale Gesundheitsanwendungen https://www.bfarm.de/DE/Medizinprodukte/DVG/_node.html
- 2022-01-05 Finanzwelt Online – PKV auf Zukunftskurs – https://finanzwelt.de/pkv-auf-zukunftskurs/
- 2022-04-20 Haufe – Aktuelle Fortschritte beim E-Rezept https://www.haufe.de/sozialwesen/leistungen-sozialversicherung/e-rezept_242_477742.html
- 2023-06 BDAE – Leben und Arbeiten im Ausland – KI-Startups in Gesundheitsbranche verändern Medizin – S. 45-46

