Grundlegend ist bei Ratschlägen aus dem Internet gehobene Vorsicht geboten, spz. bei Finanz-Influencern, auch Finfluencer genannt. Ein Finfluencer ist dabei eine Person, hilfsweise eine Kunstfigur, welche durch ihre Popularität beeinflussende Wirkungen zur Bewerbung von Finanzprodukten und/oder Finanzdienstleistungen verwendet.1 Eine allgemeingültige Legaldefinition existiert noch nicht.
Da die deutschsprachige Literatur das neue Phänomen kaum aufgreift, wird auf ausländische Quellen verwiesen, die mehrheitlich kritische Töne anschlagen. Zu einem gibt es keinen geregelten Markt, weil Finfluencer mehrheitlich noch nicht den gleichen Qualitätsanforderungen unterliegen, wie reguläre Marktteilnehmer, über den sie berichten. Ein sog. code of conduct oder ähnliche Wohlverhaltensregeln existieren nicht, sondern müssen noch erarbeitet werden.2 Auch die Jura-Fakultäten einiger Hochschulen äußern sich kritisch, da Themen wie Qualitätsanforderung, Haftung etc. noch weitestgehend ungeklärt sind. Man geht davon aus, dass diese langfristig strengeren Haftungsregeln unterworfen werden.3 So werden zunehmend mehr Finfluencer für unlauteres Treiben abgemahnt, bspw. eine größere selbsternannte Finanz-Akademie, welche prominent beteuert kein Vermittler zu sein aber dabei sogar im Impressum widersprüchliche Angaben dazu macht.4
Erste wissenschaftliche Studien zeigen dabei, dass die Qualität oft für eine höhere Reichweite (Masse) vernachlässigt wird. Die besonders schlechten Tipps kommen dabei von den Finfluencern mit den meisten Anhängern, genannt Follower.5
Die aktuellen Trends sind Coaching, Mindset-Glaubenssätze sowie Finanzen „speziell“ für Frauen. Die Kritik reißt dabei nicht ab, gerade bei den reichweitenstarken Finfluencern.6
Meinung des Autors, der selbst als Finfluencer bezeichnet werden könnte: Vorsicht, ganz große Vorsicht! Wenn der Finfluencer keine nachweisliche, aktuelle Qualifikation hat, sollten Sie nicht glauben, was dort gesagt wird. Selbst einigen Finfluencern mit Branchenkenntnissen steht der Autor äußerst skeptisch entgegen.
Glauben Sie nur dem, dessen Aussagen schriftlich niedergeschrieben sind, sowie der für seine Aussagen haftet. Es ist Ihr Leben, Ihre Gesundheit und Ihr finanzieller Schaden; da sollten Sie nicht auf Internet-Sympathie vertrauen! Daher warnt auch die BaFin vor Finanz-Tipps von Finfluencern oder Coaches aus dem Internet!7
Quellenangaben
- 2022-08 Connecticut Department of Banking – The North American Securities Administrators Association – Are You AnInformed Investor? – What is a financial influencer ( “finfluencer”)? – S. 1
- 2022-12-08 Observer Research Foundation – FinFluencers: What code of conduct should we have? https://www.orfonline.org/research/finfluencers/
- 2023-05-22 Faculty of law blogs / UNIVERSITY OF OXFORD – The Rise of the Finfluencer – https://blogs.law.ox.ac.uk/oblb/blog-post/2023/05/rise-finfluencer
- 2024-02-22 Pfefferminzia – Wettbewerbszentrale rügt Vermittlerin | Vorsicht bei Werbung auf der eigenen Internetseite https://www.pfefferminzia.de/vertrieb/wettbewerbszentrale-ruegt-vermittlerin-vorsicht-bei-werbung-auf-der-eigenen-internetseite/
- 2024-02-12 Das Investment – Finfluencer – „Klicks statt Klasse“ https://www.dasinvestment.com/finluencer-klicks-statt-klasse/
- 2014-10-07 Finance FWD – Kritik an Madame Moneypenny: „Keinen vierstelligen Betrag wert“ https://financefwd.com/de/finfluencer-madame-moneypenny/
- „ohne Datum“, Aufruf 2023-07-30 BaFin – Geldanlage: Top-Renditen durch Finanz-Coachings aus dem Internet? https://www.bafin.de/DE/Verbraucher/GeldanlageWertpapiere/verbraucher_finanzcoaching.html

