Warum steigen die Beiträge ungleichmäßig?

Warum steigen die Beiträge ungleichmäßig?

Inhaltsverzeichnis

Die Einflussfaktoren sind nicht konstant und niemand kennt die Zukunft! Darüber hinaus gibt es Schwellenwerte, ab denen eine Beitragsanpassung erfolgen kann bzw. muss. Ab 5% Anpassungsbedarf (= auslösender Faktor Sterblichkeit) kann die Versicherung die Prämie anpassen,1 ab 10% (= auslösender Faktor Kosten) muss sie anpassen.2

Eine Kann-Anpassung des Faktors erhöhte Sterblichkeit ist unwahrscheinlich, denn wenn die Sterblichkeit sinkt, steigt die Nettoprämie,3 weil weniger Vererbung im Kollektiv (weniger Vererbungsprämie) stattfindet4 und höhere Kopfschäden durch unplanmäßig mehr alte Person zu finanzieren sind. Es wäre nicht vertrauensbildend, eher grotesk, würde ein PKVU eine Prämienerhöhung ankündigen, weil weniger Kunden gestorben sind. Zudem lag selbst nach der Corona-Pandemie die Übersterblichkeit unter dem auslösenden Faktor.5

Die auslösenden Faktoren (kurz AF) sind ein Signal zur Überprüfung. Diese Faktoren werden leider isoliert auf Einzeljahresbasis betrachtet, statt multiplikativ, obwohl es für gleichmäßig steigende Prämien zielführend wäre den kombinierten Faktor als dritten auslösenden Faktor einzuführen.6 Beispiel: Wenn die Sterblichkeit -4,9% und die Kosten +9,9% wären, läge die Summe bei 15,3% Anpassungsbedarf, die aber nicht durch die auslösenden Faktoren auf die Prämie umlegbar wären.7

Sanierungsstau in der PKV

Das kann zu einem Sanierungsstau führen, wie das u. g. Bildbeispiel verdeutlicht:

Grafik 100 – Sanierungsstau bei BAP der PKV

Bei einem Sanierungsstau bestünde zwar ein Anpassungsbedarf, weil die Kosten real nach oben abweichen, aufgrund aufsichtsrechtlicher Regeln darf die PKV aber noch nicht anpassen. Erst wenn ein Schwellenwert gerissen ist, kann eine Anpassung erfolgen, die dann umso heftiger kommen kann. Die Aussage, dass ein Tarif viele Jahre keine Anpassungen hatte, ist deshalb eher ein Warnsignal, denn als Qualitätsmerkmal zu verstehen.8 Im Bildbeispiel wurden vier Jahre lang erhöhte Kosten produziert, die wg. Unterschreitung der Kann-Grenze aber nicht umlagefähig im Sinne einer BAP waren. Erst als im 5. Beispieljahr die Muss-Grenze gerissen wurde, erfolgte eine entsprechend hohe Anpassung, bei der auch nicht durchgeführte „Alt-Anpassungen“ nachgeholt werden.

Oft bemühen sich die Versicherungen um Abfederung solcher Spitzen, da jede BAP den potenziellen Abgang von gesunden Versicherungsnehmern zur Konkurrenz bedeuten könnte. Sie überbrücken diese Lücken aber nur aus Eigenmitteln, d. h. temporär aber ohne eine dauerhafte Finanzierung.

D. h. in der Praxis steigt die PKV ungleichmäßig stark. Das ist ärgerlich, zumal die Deutsche Aktuar Vereinigung seit Jahren auf das Problem aufmerksam macht, Lösungsvorschläge bereithaltend.9 Dies führt dazu, dass kleine Kostensteigerungen Fehlbeträge (rot) auslösen, weil sie noch nicht via BAP umgelegt werden dürfen. Wenn dann eine Beitragsanpassung erlaubt ist, wird ein Risikopuffer (grün) einkalkuliert, womit der Beitrag über den realen Kosten liegt. Dies wiederholt sich ständig.

Grafik 101 – Schematische Darstellung der BAP im zeitlichen Verlauf

Sinnvoll wären beispielsweise die Senkung des Schwellenwerts AF-Schaden auf 5% (statt 10%), das Hinzufügen des AF-Zins, um dem geänderten Zinsniveau Rechnung zu tragen, sowie die Erlaubnis eigene Sterbetafeln, statt der BaFin-Sterbetafeln zum Vergleich hinzuziehen zu dürfen.10 Alles Lösungen, die ohne Gehör bei der Politik sind.

Vereinzelt haben Gesellschaften daher niedrigere Schwellenwerte definiert, ab deren Überschreitung eine Überprüfung mit Beitragsanpassung erfolgen kann. Einige Gerichte, z. B. OLG Karlsruhe oder OLG Hamm, sehen diese Praxis als akzeptabel an, da sie dem Verbraucher gleichmäßigere Steigerungen bietet. Andere Gerichte, z. B: OLG Köln oder OLG Rostock, empfinden dies als unangemessene Benachteiligung.11 Der Autor befürwortet niedrigere Schwellenwerte, um so gleichmäßigere Steigerungen zu ermöglichen.

Viele Gesellschaften nutzen eine BAP, um neben den Kosten auch Kalkulations-Korrekturen vorzunehmen. Im u. g. Beispiel der DKV-BAP wurde der AF-Kosten gerissen, wobei die DKV den Rechnungszins sowie die Sterbetafel gleich mit angepasst hatte, da sie es isoliert nicht gedurft hätten.

Es ist üblich, dass bei einer Tarifänderung gleich mehrere Rechnungsgrundlagen gleichzeitig angepasst werden.12

Grafik 102 – BAP-Meldung DKV aus Oktober 2022

Tarif / Tarifstufe Alter in Jahren Geschlecht Maßgebliche Rechnungsgrundlage Sterbetafel für die PKV … von … auf … Rechnungszins von … auf … AF Vers.-Leistungen in Prozent (1)
BeihilfeMed Kompakt BK 50 Ab 20 Unisex Versicherungsleistung PKV 2017 -> PKV 2022 2,75% -> 2,30% 113,8
  1. Ein Wert von 111,1 bedeutet beispielsweise eine Abweichung von +11,1 Prozent nach oben.

Grafik 102 – BAP-Meldung DKV aus Oktober 2022

  1. Ein Wert von 111,1 bedeutet beispielsweise eine Abweichung von +11,1 Prozent nach oben.

Ein Wert von 111,1 bedeutet beispielsweise eine Abweichung von +11,1 Prozent nach oben.

Die positive Nachricht ist, nach einer starken BAP ist oft für einige Jahre Ruhe.

Im Durchschnitt des PKV-Verbands werden Tarife alle zwei Jahre angepasst, Beihilfe- und Krankenhaustarife alle zweieinhalb Jahre und Zahntarife sowie Tagegelder alle drei Jahre.13

Häufigkeit und Transparenz sind höchst unterschiedlich. Anbei ein Positiv-Beispiel, der uniVersa KVaG. Prozentuale Senkung in grün, hohe Steigerung in orange und extreme Steigerung in rot.14

Erwachsene Letzte BAP
vor 2025
Auslösende Faktoren zum 01.01.2025 Rechnungszins
Versicherungsleistungen Sterblichkeit bis 31.12.2024 ab 01.01.2025
uni-A 1360 01.01.2023 16,01 0,12 2,00 2,25
uni-A 155 01.01.2024 13,18 2,00 2,25
uni-A 20R 01.01.2024 06,64 2,00 2,25
uni-A 310 01.01.2023 16,01 0,12 2,00 2,25
uni-A 50-10 01.01.2024 06,64 2,00 2,25
uni-A 50-10 BB AE 01.01.2024 06,64
uni-A 620 01.01.2023 05,61 0,12 2,00 2,25
uni-A 80 01.01.2024 10,85 2,00 2,25
uni-A 80 S-BB AE 01.01.2024 17,94
uni-AM 155 01.01.2024 13,18 2,00 2,25
uni-AM 620 01.01.2023 05,61 0,15 2,00 2,25
uni-EZ 2 01.01.2023 -14,41 0,19 2,25 2,25
uni-intro|Privat 300 01.01.2024 05,65 2,25 2,25
uni-intro|Privat 600 01.01.2022 24,56 0,41 2,25 2,25
uni-intro|Privat-Spezial 01.01.2024 10,51 2,25 2,25
uni-PT-Komfort 01.01.2023 09,48 0,60 2,25 2,25
uni-PT-Premium 01.01.2024 17,47 2,25 2,25
uni-RD 01.01.2018 59,28
uni-ST 1/100 01.01.2021 08,08 -0,09 2,25 2,25
uni-ST 1/20R 01.01.2021 13,35 0,08 2,50 2,25
uni-ST 1/50-1/10 01.01.2021 13,35 0,73 2,50 2,25
uni-ST 2/100 01.01.2021 08,08 -0,09 2,25 2,25
uni-ST 2/100 S-BB AE 01.01.2024 118,71
uni-ST 2/20R 01.01.2021 13,35 0,08 2,50 2,25
uni-ST 2/50-2/10 01.01.2021 13,35 0,73 2,50 2,25
uni-ST 2/50-2/10 BB AE 01.01.2021 13,35
uni-ST 3/100 01.01.2021 08,08 -0,08 2,25 2,25
uni-ST 3/20R 01.01.2021 13,35 0,09 2,50 2,25
uni-ST 3/50-3/10 01.01.2021 13,35 0,73 2,50 2,25
uni-ST 3/50-3/10 BB AE 01.01.2021 13,35
uni-STM 01.01.2021 08,08 -0,10 2,25 2,25
uni-VE 1300 G 01.01.2024 14,50 2,25 2,25
uni-VE 1300 H 01.01.2024 14,50 0,00 2,25 2,25
uni-VE 2000 G 01.01.2022 14,57 0,09 2,25 2,25
uni-VE 2000 H 01.01.2022 14,57 0,09 2,25 2,25
uni-VE 900 K 01.01.2024 27,22 2,25 2,25

Vereinzelt versuchen die PKVU durch die Hintertüre auch Verschlechterungen in der Kalkulation einzuführen. So wird bspw. vorgeschlagen, dass man die limitierenden Mittel länger strecken soll oder bei internen Tarifwechseln weniger Rückstellungen anrechnen sollte, weil so die BAP gleichmäßiger sowie geringer würden.15 Das stimmt, ist für den Verbraucher aber in Summe teurer als bisher und wäre somit ein Handel mit Zitronen.

Bsp. Sanierungsstau & Unterkalkulation im in-/externen Vergleich

Eine Unterkalkulation bzw. ein Sanierungsstau sind schwer erkennbar, weil die notwendigen Parameter nicht vollständig offengelegt werden müssen, weshalb es keine PKV tut.

Weicht ein PKVU bei einer Tarifneueinführung in seiner Kalkulation von den BaFin-Daten ab, muss es sich nur (!) gegenüber der BaFin erklären sowie durch „geeignete“ Statistiken belegen und die Kopfschäden „entsprechend“ abändern.16

„Geeignet“ ist ein sehr dehnbarer Begriff, da nicht abschließend in diesem Zusammenhang definiert. Dass die Kopfschäden „entsprechend“ abgeändert werden, scheint dem Autor schon fast kriminell!

Die Berücksichtigung von Wartezeit- und Selektionsersparnissen in die „zugehörigen“ Bestände und Beobachtungszeiträume ist17 „optimierbar“, wenn „taktisch“ gewählt. Sie können auch bei den auslösenden Faktoren berücksichtigt werden, beispielsweise durch Elimination der ersten Jahre,18 womit weiteres Optimierungspotenzial gegeben ist.

Diese mathematischen Taschenspielertricks können nur mit Erfahrungen sowie über Approximation als begründeter Verdacht dem Grunde nach aber nicht der Höhe nach enttarnt werden. Dies geschieht anhand eines Peergroup-Vergleichs von unternehmensinternen sowie -externen Tarifen gleicher Art und Güte erfolgt. Merke: Langfristig ist keine Beitrags-Arbitrage möglich!

Unter Berücksichtigung der Empfehlungen aus diesem Buch, ergibt sich ein Profil, mit dem die ARAG-Tarife (Stand 2020-08) bei einem 1990 geborenen Arbeitnehmer quantitativ wie u. g. dargestellt abschneiden. Die beiden relevanten Tarife sind blau markiert. Auffällig ist, dass die alten Modul-Tarife aus den 70er Jahren (z. B. Modultarif 202 220 549; Auflage 1978) einen geringeren quantitativen Leistungsumfang haben aber gleichzeitig mehr kosten, also die neuen Kompakt-Tarife (z. B. MedBest 300, Auflage 2019).

Grafik 103 – L9 Version 5289 ARAG-Tarifliste Arbeitnehmer 1990er vom 14.05.2021

Versicherer Tarife SB € Erfüll. Gesamt € AN Anteil € Effektiv €
Arag MedBest 300 PVN KTV42 300 (ASZ) 98% 602,93 € 301,46 € 326,46 €
Arag MedBest 0 FlexiPro PVN KTV42 98% 636,22 € 318,11 € 318,11 €
Arag MedBest 0 PVN K1V42 98% 631,22 € 315,61 € 315,61 €
Arag MedBest 300 FlexiPro PVN KTV42 300€ (ASZ) 98% 607,93 € 303,96 € 328,96 €
Arag MedBest 900 PVN KTV42 900 (ASZ) 96% 519,70 € 259,85 € 334,85 €
Arag MedBest 900 FlexiPro PVN KTV42 900€ (ASZ) 96% 524,70 € 262,35 € 337,35 €
Arag MedBest 1500 FlexiPro PVN KTV42 1500€ (ASZ) 96% 472,07 € 236,03 € 361,03 €
Arag MedBest 600 PVN KTV42 600 (ASZ) 96% 553,57 € 276,78 € 326,78 €
Arag MedBest 1500 PVN KTV42 15C0 (ASZ) 96% 467,07 € 233,53 € 358,53 €
Arag MedBest 1200 FlexiPro PVN KTV42 1200 € (ASZ) 96% 485,43 € 242,72 € 342,72 €
Arag MedBest 600 FlexiPro PVN KTV42 600 (ASZ) 96% 558,57 € 279,28 € 329,28 €
Arag MedBest 1200 PVN KTV42 1200 (4SZ) 96% 480,43 € 240,22 € 340,22 €
Arag MedExtra 300 PVN KTV42 300€ (ASZ) 95% 525,44 € 262,72 € 287,72 €
Arag MedExtra 0 PVN KTV42 95% 556,99 € 278,50 € 278,50 €
Arag MedExtra 0 FlexiPro PVN KTV42 95% 561,99 € 281,00 € 281,03 €
Arag MedExtra 300 FlexiPro PVN KTV42 300 (ASZ) 95% 530,44 € 265,22 € 290,22 €
Arag 203 220 549 PVN K1V42 330€ (A) 93% 707,14 € 353,57 € 381,07 €

Grafik 103 – L9 Version 5289 ARAG-Tarifliste Arbeitnehmer 1990er vom 14.05.2021

Mathematisch ist dies leicht zu manipulieren, indem man beispielsweise die Stornowahrscheinlichkeit erhöht (z. B. kürzere Sterbetafeln, mehr Vererbung durch Storno),19 eine erhöhte Verzinsung annimmt, geringere Kopfschäden ansetzt, Wartezeit- und Selektionseffekt länger einkalkuliert etc. Die Geheimnisse des jeweiligen Versicherungs-Alchemisten (idF nicht -aktuars) sind dabei leider nicht rauszufinden, da Betriebsgeheimnis. Selbst ob die Wahrscheinlichkeitstafeln der BaFin20 genutzt werden oder unternehmenseigene Daten, möglicherweise sogar nur von Stütztarifen,21 ist kaum herauszufinden.

Auffällig ist aus Sicht des Autors, dass Versicherungen mit besonders günstigen Kampfpreisen überdurchschnittlich oft mit VVA-Prüfungen in der Praxis auffallen, z. B. im Jahr 2022 die ARAG und Die Continentale, welche >90% der VVA-Fälle ausmachten, die dem Autor zur Prüfung vorgelegt wurden. Ein Zusammenhang mit zu hohen Stornoannahmen ist anzunehmen, kann jedoch nicht abschließend bewiesen werden.

Werden zwei Tarife mit gleichem Leistungsniveau verglichen, egal ob in der gleichen PKV oder Unternehmen übergreifend, dann müssen diese die gleichen Aufwendungen für Kopfschäden haben. Lediglich durch die Verzinsung der Kapitalanlage der Versicherung und die Schadenregulierung kann Einfluss auf die Kurven genommen werden. Im Ergebnis führt das aber immer (!) zu u. g. Problem.

Grafik 104 – Auswirkungen der Unterkalkulation auf die Prämie

Da alle PKVU mittel- bis langfristig die gleich kranken, gleich teuren Kunden haben, verursachen diese auf lange Sicht die gleichen Kopfschäden. D. h. zwei Tarife gleicher Leistung müssen langfristig ungefähr das Gleiche kosten. Wer anfangs weniger zahlt, legt später mit Zinseszins drauf! Die Kalkulation einer PKV ist mit einer Baufinanzierung vergleichbar. Der Preis der Immobilie ändert sich nicht, nur weil jemand zu blöd ist anfangs ordentlich zu tilgen. Aber die Kosten sind zu zahlen und die Zinsen kommen obendrauf! Langfristige Beitragsvorteile sind nicht möglich; sie sind allenfalls kurzfristiger Natur! Die Prämien-Linie des o. g. Tarif B kann dabei in verschiedene Richtungen manipuliert werden, wird jedoch zum Ende hin immer steil werden. Je billiger am Anfang, umso teurer am Ende! Wenn der Tarif A ein Bestandstarif ist, hat der Aktuar kaum Spielraum für Manipulation der Neugeschäftsprämien. Beim neuen Tarif B hingegen kann er kreativ werden, obwohl dieser womöglich sogar ein höheres Leistungsniveau hat…

Aus dieser Kombination lässt sich ableiten, dass die o. g. ARAG-Tarife unterkalkuliert sind und ein immanenter Sanierungsstau vorliegt. Auf mittlere und lange Sicht muss der aktuell günstige Kompakt-Tarif preislich mindestens auf dem gleichen Preisniveau liegen wie seine Vorgänger-Tarife, tendenziell höher. Niemand kann sagen, wann und in welcher Höhe die Anpassung erfolgt, nur dass sie erfolgen muss, zumal es sonst irgendwann gegen das Äquivalenzprinzip verstoßen würde. Je größer die ursprüngliche Differenz des neuen Tarifs im Vergleich zum älteren Stütztarif, umso stärker die zu erwartenden Steigerungen!22

Beispielhafter Peer-Group-Vergleich (extern)

Für o. g. Arbeitnehmer ergibt sich mit o. g. Profil dieser Peergroup-Vergleich.

Grafik 105 – L9 Version 5289 Beitragsvergleich 1990er AN vom 14.05.2021

Versicherer Tarife SB € Erfüll. Gesamt € AN Anteil € Effektiv €
Barmenia einsA expert• 1 PVN T42+ 300 € (ASZ) 100% 796,76 € 409,04 € 434,04 €
Arag MedBest 300 PVN KTV42 300 € (ASZ) 98% 602,93 € 301,46 € 326,46 €
Arag MedBest 0 FlexiPro PVN KTV42 98% 636,22 € 318,11 € 318,11 €
Arag MedBest 0 PVN KTV42 98% 631,22 € 315,61 € 315,61 €
Arag MedBest 300 FlexiPro PVN KTV42 300 € (ASZ) 98% 607,93 € 303,96 € 328,96 €
Barmenia einsA expert 1 PVN T42+ 300 € (ASZ) 98% 763,84 € 381,92 € 406,92 €
Süddeutsche SDK AMIO S1 Z9 PPN TA 6 98% 815,84 € 428,35 € 428,35 €
Süddeutsche SDK AMI 1 SI Z9 PPN TA 6 240 € (A %) 98% 781,21 € 393,73 € 413,73 €
BBKK GVARIO 400 VARIOAmbulant• VARIOKlinik• 400 € (A) 98% 615,38 € 307,69 € 341,02 €
Deutscher Ring Prime (09.2020) PIT•U PVN pro043v-U 96%      
Deutscher Ring Prime PIT•U PVN pro043v-U 96% 854,73 € 466,90 € 466,90 €
R+V AGIL premium 0 U PPN TA6U (12.2017) 96%      
Süddeutsche SDK AM12 S1 Z9 PPN TA 6 480 € (A %) 96% 707,29 € 353,65 € 393,65 €
Süddeutsche SDK AM10 S1 Z8 PPN TA 6 96% 802,26 € 414,78 € 414,78 €
Süddeutsche SDK AM11 51 Z8 PPN TA 6 240 € (A %) 95% 767,64 € 383,82 € 403,82 €
UKV (Union) GVARIO 400 VARIOAmbulant• VARIOKlinik• 400€ (A) 95% 615,38 € 307,69 € 341,02 €
Arag MedExtra 300 PVN KTV42 300 € (ASZ) 95% 525,44 € 262,72 € 287,72 €
Arag MedExtra 0 PVN KTV42 95% 556,99 € 278,50 € 278,50 €
Arag MedExtra 0 FlexiPro PVN KTV42 95% 561,99 € 281,00 € 281,00
Arag MedExtra 300 FlexiPro PVN KTV42 300€ (ASZ) 95% 530,44 € 265,22 € 290,22 €
BBKK GVARIO 400 VARIOKlinik• VARIOZahn• PVN 400 € (A) 95% 592,19 € 296,10 € 329,43 €
BBKK GVARIO 400 VARIOAmbulant• VARIOKlinik• 400€ (A) 95% 606,15 € 303,08 € 336,41 €
R+V AGIL premium 480 U PPN TA6U (12.2017) 480 € (ASZ) 95%      

Grafik 105 – L9 Version 5289 Beitragsvergleich 1990er AN vom 14.05.2021

Der Gesamtbeitrag ist der Beitrag für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der AN-Anteil betrachtet nur den Arbeitnehmer-Beitrag. Der Effektivbeitrag ist der Arbeitnehmeranteil inklusive der auf den Monat umgelegten Selbstbeteiligung. Sie erkennen, dass die ARAG überall der günstigste Anbieter sein soll, obwohl andere Tarife einen geringeren quantitativen Leistungsumfang haben. Das kann nicht dauerhaft funktionieren! Denken Sie an Selektionseffekte, Wartezeiteffekte, Basiseffekte und andere mathematische Tricks aus dem Kapitel Kalkulationsgrundlagen, die erklären, wie eine PKVU diese magischen „Beitragswunder“ kurzfristig darstellen kann.

Bsp. Sanierungsstau bzw. Unterkalkulation im internen Vergleich

Auch innerhalb der gleichen PKV können Ineffizienzen erkannt werden. Betrachten Sie dazu zwei Tarife der SDK für den 1990 geborenen Arbeitnehmer. Bis auf die Selbstbeteiligung sind diese identisch. Jedoch liegt der Gesamtbeitrag über 100€/Monat auseinander, obwohl die Selbstbeteiligung nur 40€/Monat ausmacht. Das bedeutet, dass der günstigere Tarif (in diesem Fall mit der Selbstbeteiligung) noch zu günstig ist und Anpassungen auf das teurere Niveau erfolgen werden. Bei derartigen Beitragsunterschieden innerhalb der gleichen PKV sollten Sie ebenfalls die schlechtere Prämie als langfristig realistisch betrachten.

Grafik 106 – L9 Version 5289 SDK-Tarife vom 14.05.2021

Versicherer Tarife SB € Erfüll. Gesamt € AN Anteil € Effektiv €
Süddeutsche SDK AM10 S1 Z9 PPN TA 6 98% 815,84 € 407,92 € 407,92 €
Süddeutsche SDK AM11 S1 Z9 PPN TA 6 240 € (A %) 98% 781,21 € 390,61 € 410,61 €
Süddeutsche SDK AM12 S1 Z9 PPN TA 6 480 € (A %) 98% 707,29 € 353,65 € 393,64 €

Grafik 106 – L9 Version 5289 SDK-Tarife vom 14.05.2021

Im o. g. Beispiel ist davon auszugehen, dass die Prämie des Tarifs mit Selbstbehalt auf lange Sicht höher als die Prämie ohne Selbstbeteiligung liegen. Erklärungen stehen bei den Kalkulationsgrundlagen sowie bei den Mythen zur PKV.

Quellenangaben

  1. §155 IV VAG Prämienänderungen https://www.gesetze-im-internet.de/vag_2016/__155.html
  2. §155 III VAG Prämienänderungen https://www.gesetze-im-internet.de/vag_2016/__155.html
  3. 2017 Thorsten Becker – Mathematik der privaten Krankenversicherung – ISBN 978-3-658-16665-6 ISBN 978-3-658-16666-3 (eBook) DOI 10.1007/978-3-658-16666-3 – S. 114
  4. 2017 Thorsten Becker – Mathematik der privaten Krankenversicherung – ISBN 978-3-658-16665-6 ISBN 978-3-658-16666-3 (eBook) DOI 10.1007/978-3-658-16666-3 – S. 167
  5. 2022-01 WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV – COVID-19-Todesfälle – Häufigkeit im Verhältnis zu anderen Todesursachen https://www.econstor.eu/bitstream/10419/273245/1/WIP-Kurzanalyse-2022-01.pdf
  6. 2015-04 DAV Aktuar Aktuell – Ausgabe 29 S. 8 & 9 – Die aktuelle Beitragsanpassungsklausel in der PKV -Wirkungsweise, Problemfelder und Lösungsansätze https://aktuar.de/politik-und-presse/aktuar-aktuell/Documents/Aktuar_Aktuell_Nr_29.pdf
  7. 2018-03 DAV Aktuar Aktuell – Ausgabe 41 S. 10 & 11 – Im Interesse des Kunden: Beitragssprünge in der PKV reduzieren https://aktuar.de/politik-und-presse/aktuar-aktuell/Documents/Aktuar%20Aktuell%20Nr.41.pdf
  8. 2020-11-21 Handelsblatt – Beitragshammer für Privatversicherte: Wie ein sprunghafter Anstieg der Prämien verhindert werden könnte https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/krankenversicherung-beitragshammer-fuer-privatversicherte-wie-ein-sprunghafter-anstieg-der-praemien-verhindert-werden-koennte/26642990.html?ticket=ST-1170670-RfeVs2ZjWN3lfhuoHhw7-ap4
  9. 2018-03-23 procontra online – PKV: So könnten Beitragssprünge vermieden werden https://www.procontra-online.de/artikel/date/2018/03/pkv-so-koennten-beitragsspruenge-vermieden-werden/
  10. 2015-04 DAV Aktuar Aktuell 29 S. 9 – Die aktuelle Beitragsanpassungsklausel in der PKV -Wirkungsweise, Problemfelder und Lösungsansätze
  11. 2023-04-18 OLG Karlsruhe – Az. 12 U 277/21 https://openjur.de/u/2467723.html
  12. 2017 Thorsten Becker – Mathematik der privaten Krankenversicherung – ISBN 978-3-658-16665-6 ISBN 978-3-658-16666-3 (eBook) DOI 10.1007/978-3-658-16666-3 – S. 188
  13. 2017 Thorsten Becker – Mathematik der privaten Krankenversicherung – ISBN 978-3-658-16665-6 ISBN 978-3-658-16666-3 (eBook) DOI 10.1007/978-3-658-16666-3 – S. 204
  14. 2024-11-25 uniVersa KVaG –BAP-Kundenanschreiben VSNR 60XXXX56 – S.5-6
  15. 2021-12-14 Versicherungswirtschaft heute – Aktuare schreiben am PKV-System https://versicherungswirtschaft-heute.de/unternehmen-und-management/2021-12-14/aktuare-schrauben-am-pkv-system/
  16. §6 II KVAV Kopfschäden https://www.gesetze-im-internet.de/kvav/__6.html
  17. §15 I S. 6 KVAV Verfahren zur Gegenüberstellung der erforderlichen und der kalkulierten Versicherungsleistungen https://www.gesetze-im-internet.de/kvav/__15.html
  18. 2021-06-23 Deutsche Aktuarvereinigung e. V. – Berücksichtigung der Selektionswirkung in der Erst- und Nachkalkulation in der privaten Krankenversicherung – S. 15
  19. 2017 Thorsten Becker – Mathematik der privaten Krankenversicherung – ISBN 978-3-658-16665-6 ISBN 978-3-658-16666-3 (eBook) DOI 10.1007/978-3-658-16666-3 – S. 168
  20. §159 VAG Statistische Daten https://www.gesetze-im-internet.de/vag_2016/__159.html
  21. §6 III KVAV Kopfschäden https://www.gesetze-im-internet.de/kvav/__6.html
  22. 2021-06-23 Deutsche Aktuarvereinigung e. V. – Berücksichtigung der Selektionswirkung in der Erst- und Nachkalkulation in der privaten Krankenversicherung – S. 20

Autor & PKV Experte

Walter Benda

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Deutschlands führender Spezialist für komplexe PKV-Fälle

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PKV-WIKI Kapitel

Systemunterschiede

Wie unterscheidet sich die private von der gesetzlichen Krankenversicherung wirklich?

Zielgruppen

Für wen lohnt sich die private Krankenversicherung am meisten?

Pflegepflicht

Warum ist die Pflegepflichtversicherung für alle PKV-Versicherten Pflicht?

Kalkulation

Wie berechnet sich eigentlich der Beitrag in der privaten Krankenversicherung?

Mythen

Stimmt wirklich, was viele über die PKV behaupten?

Steuern

Welche steuerlichen Vorteile bietet eine private Krankenversicherung?

Leistungfall

Wie läuft die Erstattung im Leistungsfall bei der PKV ab?

Risikoprüfung

Warum muss vor Vertragsbeginn eine Gesundheitsprüfung stattfinden?

Datenschutz

Wie sicher sind persönliche Daten in der privaten Krankenversicherung?

PKV Klauseln

Welche Vertragsklauseln sollte man vor Abschluss genau prüfen?

Checklisten

Welche Unterlagen helfen bei Antrag, Wechsel oder Leistungsabrechnung?

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