Pflegepflichtversicherung

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Kooperations-Beitrag zusammen mit Christian Steffen Fröhlich

Kooperations-Beitrag zusammen mit Christian Steffen Fröhlich

In der Praxis werden die Kürzel PVN, PPV oder SPV etc. häufig synonym genutzt, obwohl dies formaljuristisch inkorrekt ist.
PV ist das Kürzel für Pflegeversicherung. Die sonstigen Unterscheidungen sind:

Krankenkasse (gesetzlich) PKV
SPV = Soziale Pflegepflichtversicherung PPV = Private Pflegepflichtversicherung
PVN = Tarif für reguläre Versicherte
PVB = Tarif für Beihilfeberechtigte

Grundsätzlich besteht in der Pflege Versicherungspflicht1 – lediglich für Grenzgänger bestehen teils Besonderheiten.

Die private Pflegepflichtversicherung (PVN) ist in weiten Teilen der sozialen Pflegepflichtversicherung (SPV)2 nachempfunden. Ein Sonderfall sind Beihilfe-Empfänger, z.B. Bundesbeamte, die Zuschüsse für vollstationäre Pflege erhalten können.3 Trotzdem gilt auch hierbei der Vorrang der ambulanten/teilstationären Pflege, die nicht gesondert bezuschusst werden.

Die soziale Pflegepflichtversicherung (SPV) wird prozentual vom Bruttoeinkommen berechnet, wobei es für Kinder gestaffelte Nachlässe gibt. Die Berechnung erfolgt seit dem 01.07.2025 automatisch über den Arbeitgeber.4

Ein wesentlicher und abgrenzender Bestandteil der privaten Pflegepflichtversicherung ist die Bildung von Altersrückstellungen.5 Außerdem bilden die PKVU für die Pflegepflichtversicherung den GbR Pflege-Pool unter Leitung des PKV-Verbands6 zum gemeinsamen Risikoausgleich, der von der BaFin überwacht wird.7

Aktuell hat die PVN ein günstigeres Verhältnis von jung zu alt, als die SPV, da das Verhältnis von Männern zu Frauen nur ein Teilaspekt ist. Frauen beziehen aufgrund ihrer längeren Lebenserwartung im Schnitt auch länger Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung. Im Vergleich zu früher versichern sich in Relation mehr Frauen in der PVN – hierdurch steigt deren Anteil in der PVN. Deshalb schmilzt der heute noch vorhandene Risikovorteil stückweise ab.

Dieser Aspekt sollte statistisch die Beitragserhöhungen in der PVN erhöhen und in der SPV senken. Es ist zu bezweifeln, dass die Beitragserhöhungen in der PVN höher ausfallen werden als in der SPV, da dies nur ein Teilaspekt ist. Tatsächlich ist die Finanzlage der SPV so angespannt, dass bereits 2025 mit einer Notlage zu rechnen ist.8 Selbst bei Annahme des günstigsten Zukunfts-Szenarios ist mit starkem Prämienanstieg in der SPV zu rechnen.9 Die PPV ist auch betroffen, wenn auch weniger stark.

Es gilt der Grundsatz, dass die Pflegepflicht- der Krankenversicherung folgt und sie damit im gleichen Unternehmen versichert sein sollte – Muss sie aber nicht!

Für Angestellte über der JAEG kann es eine Option sein, in der gesetzlichen Krankenkasse zu bleiben, aber in die private Pflegepflichtversicherung zu wechseln. Oft lässt sich dadurch eine Beitragsersparnis erzielen, mit der die Pflegelücke durch Zusatzversicherungen teils kostenneutral geschlossen werden kann. Da Kinder in der Pflegepflichtversicherung (SPV und PPV) oft kostenfrei versichert sind, kann dieses Hybridmodell insbesondere für Familien interessant sein.

Die korrekte Abwicklung ist wichtig, da viele PKV nicht allein eine PVN absichern möchten. Aufgrund der sozialen Schutzfunktion ist die PVN auch bei Formfehlern nicht rückabwickelbar, da kein Versicherter eine lückenlose, rückwirkende Anschlussversicherung wird nachweisen können.10 Sobald man also in der PVN versichert ist, wird es für den Versicherer nahezu unmöglich, den Vertrag zu kündigen.

Quellenangaben

  1. §23 SGB XI – Versicherungspflicht für Versicherte der privaten Krankenversicherungsunternehmen https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__23.html
  2. SGB XI – Soziale Pflegeversicherung https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/
  3. §39 BBhV Vollstationäre Pflege https://www.gesetze-im-internet.de/bbhv/__39.html
  4. 2025-07-01 VVP – Digitales Verfahren in der sozialen Pflegeversicherung ist seit 01.07.2025 verpflichtend ‒ die Eckpunkte für Arbeitgeber https://www.iww.de/vvp/buero-organisation/pflegeversicherung-digitales-verfahren-in-der-sozialen-pflegeversicherung-ist-seit-01072025-verpflichtend-die-eckpunkte-fuer-f167968
  5. PKV-Verband – Nachhaltige Finanzierung der privaten Pflegeversicherung https://www.pkv.de/themen/pflege/pflege-beitragserhoehung-2020/wie-unterscheidet-sich-die-finanzierung-in-spv-und-ppv/
  6. 2016 Hartmut Milbrodt, Volker Röhrs – Aktuarielle Methoden der deutschen Privaten Krankenversicherung –ISSN 1864-3779 ISBN 978-3-89952-610-3 – S. 84
  7. §111 SGB XI Risikoausgleich https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__111.html
  8. 2024-02-12 Bayerischer Rundfunk 24 – Finanznot: Krankenkassen fordern Reform der Pflegeversicherung https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/finanznot-krankenkassen-fordern-reform-der-pflegeversicherung,U445Fuu
  9. 2024-05 WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV – Zur Zukunftsfähigkeit der Sozialen Pflegeversicherung https://hdl.handle.net/10419/295235
  10. 2022-01-31 VVP Versicherungsvermittlung Professionell – LSG BaWü: Urteil vom 10.12.2021 – L 4 P 180/19 https://www.iww.de/vvp/quellenmaterial/id/227210

Autor & PKV Experte

Walter Benda

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