Mythos Stärkere Beitragsanpassungen durch spätes Eintrittsalter

Mythos Stärkere Beitragsanpassungen durch spätes Eintrittsalter

Inhaltsverzeichnis

Dieser Punkt ist überwiegend falsch, jedoch nicht zwingend, da vom Tarif abhängend. Streng genommen ist ein später ins Kollektive einsteigender Kunde besser prognostizierbar als ein gleich alter Bestandskunde, weil bei ihm eine Gesundheitsprüfung vorgenommen wird, die beim Bestandskunden kaum erlaubt ist.1 So wird dieser Selektionseffekt über weniger Restjahre verteilt, was die Fehleranfälligkeit reduziert. Gleiches gilt für Wartezeiteffekte, z. B. Zahnstaffeln.

In einer idealtypischen Welt, würde ein späteres Eintrittsalter sich lediglich auf das Verhältnis von Beiträgen zu Alterungsrückstellungen auswirken. Der Anteil der Alterungsrückstellungen würde kleiner, wie in der u. g Grafik ersichtlich, weil mehr Beiträge direkt für Leistungsausgaben abgeführt werden. Insgesamt wäre die Prämie dieser zwei Faktoren höher und der spätere Einstieg daher irrelevant.

Grafik 151 – Ungezillmerte Alterungsrückstellungen dreier Eintrittsalter (x), gleiche Bedingungen2

Aber die Welt ist nicht idealtypisch! Wenn Sie einen „zu billigen“ Tarif wählen, vgl. dazu die Kapitel Sanierungsstau sowie interner und externer Peergroup-Vergleich, dann geht die Rechnung wortwörtlich nicht auf und Sie haben mit übermäßigen Beitragssteigerungen zu rechnen. Je geringer die Restlaufzeit, umso stärker die Auswirkungen, weil weniger Zeit für den Zinsausgleich zur Verfügung stünde. Ist der Ihnen angebotene Tarif deutlich günstiger als vergleichbare (!) Angebote anderer PKVUs, sollten Sie äußerst vorsichtig sein; auch ungeachtet des Eintrittsalters!

Die pauschale Behauptung, dass ein erhöhtes Eintrittsalter zu erhöhten Beiträgen wird, ist als Pauschalaussage nicht richtig! Es kommt auf die Umstände des Einzelfalls an. Dies berührt jedoch keine anderen Gründe, warum der später PKV-Wechsel wohlüberlegt sein sollte, speziell die Exit-Szenarien, um wieder in die GKV zu kommen.

Quellenangaben

  1. 2017 Thorsten Becker – Mathematik der privaten Krankenversicherung – ISBN 978-3-658-16665-6 ISBN 978-3-658-16666-3 (eBook) DOI 10.1007/978-3-658-16666-3 – S. 42
  2. 2017-06-26 Andreas Leckner – Z-Vorlesung Rohmaterial – S. 6

Autor & PKV Experte

Walter Benda

Walter Benda

Deutschlands führender Spezialist für komplexe PKV-Fälle

Walter Benda

PKV-Bestsellerautor & PKV Experte

PKV-WIKI Kapitel

Systemunterschiede

Wie unterscheidet sich die private von der gesetzlichen Krankenversicherung wirklich?

Zielgruppen

Für wen lohnt sich die private Krankenversicherung am meisten?

Pflegepflicht

Warum ist die Pflegepflichtversicherung für alle PKV-Versicherten Pflicht?

Kalkulation

Wie berechnet sich eigentlich der Beitrag in der privaten Krankenversicherung?

Mythen

Stimmt wirklich, was viele über die PKV behaupten?

Steuern

Welche steuerlichen Vorteile bietet eine private Krankenversicherung?

Leistungfall

Wie läuft die Erstattung im Leistungsfall bei der PKV ab?

Risikoprüfung

Warum muss vor Vertragsbeginn eine Gesundheitsprüfung stattfinden?

Datenschutz

Wie sicher sind persönliche Daten in der privaten Krankenversicherung?

PKV Klauseln

Welche Vertragsklauseln sollte man vor Abschluss genau prüfen?

Checklisten

Welche Unterlagen helfen bei Antrag, Wechsel oder Leistungsabrechnung?

Nach oben scrollen