Mythos Finanzieller Ruin durch PKV-Beiträge im Alter

Mythos Finanzieller Ruin durch PKV-Beiträge im Alter

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Unsinn! Es handelt sich um eine urbane Legende, die medial ausgeschlachtet wird! Korrekt ist, dass es diverse Formen der Alterungsrückstellungen sowie Sicherungsmechanismen gibt. Zudem gibt es gesetzlich verbriefte Wechselrechte in Sozialtarife sowie das Tarifwechselrecht nach §204 VVG. Bereits seine Vorgängerversion §178f VVG a. F. erlaubte in den 90er Jahren eine Tarifoptimierung, die bereits damals in Nicht-Versicherungszeitschriften beworben wurde.1

Daher die Frage: Wie viele Menschen konkret werden durch die PKV ruiniert? Unten sehen Sie den Anteil der PKV-Versicherten in Sozialtarifen per Stand 31.12.2019:2

8.732.400 Millionen PKV Versicherte STN BTN NLT ∑PKVSozTar
Versicherte im Sozialtarif 51.400 32.400 89.100 172.900
davon Anteil am PKV-Bestand 0,5886% 0,3710% 1,0203% 1,9800%
Versicherte mit Härtefallregelung (z. B. Kappung) 424 19.300 entfällt 19.724
davon Anteil am PKV-Bestand 0,0049% 0,2210% entfällt 0,2259%
Anteil Beilhilfe-Versicherte 6.400 kA 7.800 14.200
davon Anteil am PKV-Bestand 0,0733% kA 0,0893% 0,1626%
Quelle Zahlbericht 2019 S. 26 S. 27 S. 28 S. 15

Nur 2% aller PKV-Versicherten befinden sich in Sozialtarifen. Nur ca. 0,5% aller PKV-Versicherten befinden sich in Sozialtarifen mit Härtefallregelungen. Das ist deutlich weniger als bei der GKV. Ein PKV-Versicherter im Basistarif muss im Härtefall – d. h. mit Einkünften nach der PKV unter Grundsicherung oder Existenzminimum liegend – keinen Beitrag entrichten. Daraus isoliert kann kein finanzielles Risiko entstehen! Selbst Beamte, die meist hohe Pensionen haben, gehen in Sozialtarife, um Beiträge zu sparen. Die Zahlen sind trotz Corona-Krise rückläufig, so dass per 31.12.2021 nur noch 1% der Versicherten in Sozialtarifen ist.3

Dass die PKV im Alter den finanziellen Ruin bedeutet, ist pauschal falsch und kann nicht durch Zahlen belegt werden! Der Anteil der Transferleistungsempfänger der PKV-Versicherten liegt mit ca. 0,5% deutlich unter dem Bevölkerungsschnitt, der in der Vergleichsperiode bei ca. 8,7% lag.4

Die u. g. Durchschnittsprämien im Jahr 2023 bestätigen, dass die PKV im Alter nicht ruinös ist.

Altersgruppe Beihilfeversicherte Männer Beihilfeversicherte Frauen Nicht-Beihilfeversicherte Männer Nicht-Beihilfeversicherte Frauen
41-50 Jahre 214 € 227 € 513 € 559 €
51-60 Jahre 256 € 267 € 589 € 607 €
61-70 Jahre 228 € 233 € 544 € 545 €
71-80 Jahre 211 € 212 € 533 € 543 €
≥ 81 Jahre 231 € 225 € 558 € 567 €
Insgesamt 229 € 235 € 558 € 565 €

Sowohl für Beihilfeversicherte wie alle anderen lässt sich festhalten, dass die Prämien angemessen sind. Wer ohne Beihilfe ü80 im Schnitt keine 600€/Monat zahlt, ist mehr als gut ausfinanziert.

Je nach Struktur der Versicherung ergeben sich andere Zahlen. Zudem müssen die Ausreißer berücksichtigt werden. Anbei eine Übersicht der Prämien der Debeka aus dem Jahr 2023:

Altersgruppe

Beihilfe

Mann

Rest

Mann

Beihilfe

Frau

Rest

Frau

Alter von X bis Y

Mann

Minimum

Mann Maximum

Mann

Minimum

Mann Maximum

Frau

Minimum

Frau Maximum

Frau

Minimum

Frau Maximum
41-50 Jahre 64 € 439 € 241 € 869 € 46 € 539 € 303 € 914 €
51-60 Jahre 52 € 704 € 193 € 1.189 € 57 € 677 € 173 € 1.382 €
61-70 Jahre 32 € 912 € 127 € 1.356 € 42 € 741 € 168 € 1.191 €
71-80 Jahre 26 € 957 € 112 € 1.123 € 31 € 715 € 198 € 1.411 €
≥ 81 Jahre 0 € 736 € 30 € 1.156 € 0 € 673 € 26 € 1.442 €
insgesamt 0 € 957 € 30 € 1.356 € 0 € 741 € 26 € 1.442 €

Beihilfe

Mann

Rest

Mann

Beihilfe

Frau

Rest

Frau

Mann

Minimum

Mann

Minimum

Frau

Minimum

Frau

Minimum

Vergleicht man diese zudem mit den Neugeschäftsprämien, ist die Mär von der Unbezahlbarkeit im Alter bestenfalls eine Ausnahmeerscheinung für einige Grenzfälle. Unter der Berücksichtigung, dass der GZ erst seit 2000 Pflicht ist und die Pflegepflichtversicherung mit Alterungsrückstellungen erst seit 1995 existiert, werden diese werde künftig in Relation zu den Prämien eher noch niedriger sein.

Natürlich gibt es Ausreißer nach oben, aber die gibt es auch nach unten sowie bei der GKV. Selbst diese Ausreißer sind angemessen, denn die teuren Tarife sind für Hochleistungs-Schutz, der entsprechend kostet. Ein Wechsel in günstigere Tarife oder Sozialtarife ist möglich.

Dass es Versicherte gibt, die (nahezu) kostenfrei versichert sind, sollte Beachtung finden!5

Quellenangaben

  1. 1999-11 Bundesverband der Deutschen Radiologen – Der Radiologe – PKV: Interner Tarifwechsel ohne neue Risikoeinstufung – M181 https://sci-hub.ru/10.1007/PL00022564
  2. 2020-12 PKV-Verband – Zahlenbericht 2019 https://www.pkv.de/verband/presse/meldungen-2020/pkv-verband-veroeffentlicht-zahlenbericht-2019/
  3. 2022-03-03 Versicherungsbote – PKV: Weniger Versicherte im Notlagentarif https://www.versicherungsbote.de/id/4905153/PKV-Weniger-Versicherte-im-Notlagentarif/?partnerid=nl6225434
  4. 2019-10-25 destatis – Pressemitteilung Nr. 414 vom 25. Oktober 2019 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/10/PD19_414_228.html
  5. 2023-10 IGES Institut – Beitragsentwicklung in der PKV – 4.1 Höhe der gezahlten Prämien im Jahr 202 – S. 40 https://www.iges.com/sites/igesgroup/iges.de/myzms/content/e6/e1621/e10211/e29580/e30844/e30845/e30847/attr_objs30849/BeitragsentwicklunginderPKV_2023-12-20_ger.pdf

Autor & PKV Experte

Walter Benda

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