Es gibt Kompakttarife, wo alle Leistungen als nicht selektiver Block eingekauft werden, sowie Modultarife, wo eine Einzelauswahl erfolgen kann. Aber was ist besser? Korrekt ist, dass es keine einseitige Betrachtung gibt, sondern sehr viel „grau“. Dazu ein paar Gedanken:
Aus Sicht der Versicherten ist es gut, wenn es wenige große Kollektive gibt, da diese dann robuster gegen Ausreißer (z. B. HIV-Patienten) oder Pandemien sind. Sie sind in der Regel beitragsstabiler als Kleinstkollektive. In der Regel heißt aber nicht immer! Auch der umgekehrte Fall ist möglich!
Sehr viele Tarife, vielleicht auch noch modular aufgebaut, erlauben dem Kunden mehr Vielfalt und können zu einer negativen Risikoselektion führen. Außerdem kann der Vertrieb flexibler verkaufen. So würden z. B. die Teilkopfschäden für Heilpraktiker in einem Kompakttarif regelmäßig geringer sein als die Kopfschäden eines Heilpraktiker-Modultarifs,1 denn das Modul schließen nur die interessierten Kunden ab. Das weiß vorher niemand, da es von der realen Entwicklung der unbekannten Kopfschäden abhängt, die man versucht möglichst genau mit Profilen der PKV zu antizipieren.2 Klappt mal besser, mal schlechter.
Generell gilt, dass es besser ist, wenn Tarifserien miteinander „verwoben“ sind. Sprich vergleichbare Kleingruppen werden so zu einer großen Einheit zusammengefasst. Kalkulatorisch spricht dabei auch von Beobachtungseinheiten, wobei der Begriff nicht abschließend definiert ist.3 Der Einzelfall ist jedoch stets zu prüfen, speziell im Fall des Tarifwechsels nach §204 VVG. Es kommt vor, dass einer Tarifwechsel bessere Leistung zu einem geringeren Beitrag bei geringerer Selbstbeteiligung bekommen kann, was unter anderem an den unterschiedlichen Kollektiven liegt. Einblicke in das Versichertenportefeuille einer Versicherung sind nicht möglich, da es Betriebsgeheimnisse sind. Daher gilt vor einem Wechsel, dass nach „trial & error“ recherchiert werden muss, wie hoch die Prämien bestimmter Tarife sind.
Quellenangaben
- 2016-10-02 Hartmut Milbrodt; Volker Röhrs – Aktuarielle Methoden der deutschen Privaten Krankenversicherung – S. 94 Abs 2 – ISBN 978-3-89952-610-3
- 2016-10-02 Hartmut Milbrodt; Volker Röhrs – Aktuarielle Methoden der deutschen Privaten Krankenversicherung – S. 97 Abs 2 & 3 – ISBN 978-3-89952-610-3
- 2017 Thorsten Becker – Mathematik der privaten Krankenversicherung – ISBN 978-3-658-16665-6 ISBN 978-3-658-16666-3 (eBook) DOI 10.1007/978-3-658-16666-3 – S. 205

