Es ist ein Gerücht, dass sich die PKV nur für junge Kunden „lohnen“ würde, zumal unklar ist, was der Einzelne unter lohnend versteht. Aufgrund des kalkulatorischen Aufbaus könnte man schlussfolgern, dass es für junge Kunden einfacher ist die notwendigen Rückstellungen aufzubauen und noch Budget übrig wäre, um zusätzliche BET zu kaufen. Aber auch für ältere Versicherte gibt es eine Äquivalenzgleichung, welche einen Ansparprozess für das Alter beinhaltet. Wer später einsteigt, muss auch weniger sparen, da er durch die erhöhten Beiträge den fehlenden Ansparprozess teilweise nachholt und die Versicherung weniger lang mit dem Geld auskommen muss, da er eine kürzere Restlebenserwartung hat. Außerdem wird er anteilig bereits von der Vererbung jener profitieren, welche in die GKV zurückgewechselt sind. Die Aussage, dass man mit einem späteren Einstieg unbezahlbare Prämien provoziert, ist pauschal nicht korrekt. Ein höheres Eintrittsalter erfordert mehr Abwägung und bedingt oft überproportional höhere Prämien. So kostet ein 70J. alter Versicherter ca. das Doppelte dessen, was ein 40J alter Versicherter kostet, wobei die Unterschiede bei manchen PKVUs noch größer sein können.
Ob man mit 20, 35 oder 50 in die PKV eintritt, eine Normalannahme nach den Gesundheitsfragen vorausgesetzt, macht in Bezug auf die Sparleistung und die Prämien einen Unterschied, taugt aber als Pauschalaussage nichts, da es ohne andere Faktoren unsubstantiiert ist. Vgl. Sie dazu den Anteil der Alterungsrückstellungen der o. g. Altersklassen unter sonst gleichen Tarifbedingungen.
Grafik 153 – Gezillmerte Alterungsrückstellungen für drei Altersklassen1
Ohne weitere Parameter ist die Aussage zur den Alterungsrückstellungen unsubstantiiert. Natürlich bildet ein älterer Versicherter anteilig weniger Rückstellungen, aber er benötigt auch weniger. Wie sich das am Ende auf die langfristige (!) Prämie auswirkt, ist eine Frage an die Glaskugel, denn das Risiko für eine Fehleinschätzung des PKVUs ist immer gegeben, unabhängig vom Eintrittsalter. Die Altersabhängigkeit der Kopfschäden ist hierbei der treibende Faktor. Sprich je näher ein Versicherter an den durchschnittlich teuren Jahrgängen dran ist, umso eher würde die PKV sehr teuer.
Auch die Vorversicherungszeit des Versicherten spielen keine Rolle, denn die Alterungsrückstellungen werden Stichtag bezogen auf das Alter als Gesamtwert berechnet.2 Wann ein Versicherter beigetreten ist, ist sekundär, da die Frage nur ist, wie lange er bleibt und was dieser kosten wird!
Der logische Rückschluss ist, dass die PKV für junge Kunden ein No-Brainer ist, während mit zunehmendem Alter die monetäre Abwägung vlt. mit spitzerem Bleistift gerechnet werden muss, falls man wegen der Gesundheitsfragen keinen Normalzugang zur PKV hat.
Quellenangaben
- 2017-06-26 Andreas Leckner – Die Mathematik der Privaten Krankenversicherung. Leitfaden für PKV-Aktuarinnen und -Aktuare. – Teil D: Die tarifliche Alterungsrückstellung – S. 36
- §18 KVAV Alterungsrückstellung https://www.gesetze-im-internet.de/kvav/__18.html

