Hochrechnung des GKV-Beitrags

Inhaltsverzeichnis

Der Beitrag für die gesetzliche Krankenkasse steigt kontinuierlich. Je nachdem welche Steigerungsrate man zu Grunde legt, ergeben sich unterschiedliche Höchstbeiträge, die in der Zukunft verlangt werden.

Folgende Parameter wurden in der Hochrechnung mit der Formel Kn = K0 * ( 1 + p / 100 ) ^ n verwendet:

Kn K0 p / 100 (= i) n
Endbeitrag Startbeitrag Zinssatz Anzahl der Jahre

Für den Zinssatz i bzw. p/100 wurden verschiedene Werte verwendet, die aus Vereinfachungsründen – trotz Laufzeitinkongruenzen – aufaddiert wurden.

KV + PV(max.)

Ø Kassensatz1

(1970-2019)

ØBBG

(1963-2020)

Ø Inflation2

(1950-2020)

Ø Beitrag KV

(Kassensatz + BBG)

891€ 1,33% 2,05% 3,00% 3,38%

Ø Kassensatz1

(1970-2019)

ØBBG

(1963-2020)

Ø Inflation2

(1950-2020)

Ø Beitrag KV

(Kassensatz + BBG)

Bitte beachten Sie, dass alle Beiträge ohne Inflation dargestellt sind, d. h. eine Umrechnung auf heutige Kaufkraft müsste separat erfolgen: Kn = K0 * ( 1 + pInf / 100 ) ^ (-n)

Bei Erstauflage dieses Buches im Jahre 2020 waren gemäß der o. g. Werte erst ab dem Jahr 2029 mit Beiträgen jenseits der 1.000€-Marke zu rechnen. In der Realität waren diese bereits in 2022 Realität. Daher wurde der Parameter Inflation von 2,50% auf 3,00% korrigiert.

Daraus ergibt sich für den Beitragsverlauf für den Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenkasse:

Grafik 58 – 30J-Hochrechnung des Höchstbeitrags der gesetzlichen Krankenkasse

Die Inflation der letzten 20 Jahre war deutlich niedriger als bis zur Jahrtausendwende, weil die Wirtschaftsleistung – gemessen am BIP – niedriger war.3 Selbst unter der Annahme der bisherigen Entwicklung, ist die Hochrechnung als optimistisch zu bezeichnen. Die reale Beitragsentwicklung der GKV wird – trotz Steuerzuschüssen – noch dramatischer sein. Versicherungsmathematiker gehen davon aus, dass zur o. g. Beitragsentwicklung nach heutigem Stand, ein Anstieg des Beitragssatzes der GKV auf bis zu 25% realistisch ist.4

Die nachfolgende Grafik veranschaulicht verschiedene Szenarien.

Grafik 59 – Beitragssatzentwicklung gesetzlicher Krankenversicherung – Aktuar Aktuell Nr. 43 S. 4

Die Prognosen für die Beitragssätze der SPV und der PVN sind ähnlich aber noch düsterer.

Erkennbar ist, dass auch die private Pflegeversicherung von der Demografie abhängt und trotz Zinsertrag sowie Alterungsrückstellungen mit massiven Steigerungen zu rechnen hat. Eine generelle Zinserhöhung ist zwar sehr wahrscheinlich, wird aber die notwendigen Anpassungen nur ansatzweise abfedern.

Diese Trends sind eine Fortführung der historischen Steigerungen, die damals auch als undenkbar galten, weil sie eine Vervielfachung des Beitrags bedeuteten.5 Mitunter wurden fleißig Reformen durchgeführt, die zu einem überkomplexen System mit immensen Verwaltungskosten geführt hat, wie Sie der nachfolgenden Grafik entnehmen können.

Grafik 60 – Beitragssatzentwicklung sozialen Pflegeversicherung – Aktuar Aktuell Nr. 43 S. 4

Grafik 61 – Inflationsbereinigte Entwicklung Durchschnittsbeiträge PVN – Aktuar Aktuell Nr. 43 S. 4

Historische Entwicklung der Gesetze mit Einfluss auf den GKV-Beitrag

Grafik 62 – Historische Entwicklung der GKV-Beitragssätze inkl. Hinweise der Gesetzgebung

Trotz zahlreicher Reformen und Steuerzuschuss wächst die jährliche Unterdeckung der GKV.

Grafik 63 – Entwicklung Einnahmen und Ausgaben der GKV6

Quellenangaben

  1. 2020-09-03 wikipedia.de – Gesetzliche Krankenversicherung https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzliche_Krankenversicherung
  2. 2019-05-21 Destatis – Pressemitteilung Nr. 193 vom 21. Mai 2019 – 70 Jahres Bundesrepublik: Fakten zu Deutschland https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/05/PD19_193_p001.html
  3. 2020-06-03 Destatis – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen Fachserie 18 Reihe 1.4 Inlandsproduktberechnung – S. 44 https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/Publikationen/Downloads-Inlandsprodukt/inlandsprodukt-vorlaeufig-pdf-2180140.pdf?__blob=publicationFile
  4. 2018-09 DAV Aktuar Aktuell – Ausgabe 43 S.4 – Demografische Effekte auf die Kranken- und Pflegeversicherung https://aktuar.de/politik-und-presse/aktuar-aktuell/Documents/Aktuar%20aktuell%20Nr.43.pdf
  5. 2013-09-09 Die Mathematik der Privaten Krankenversicherung – Leitfaden für PKV-Aktuarinnen und -Aktuare – S. 29 https://www.mathematik.uni-muenchen.de/~lenckner/PKV_Aktuar_2013_2013_09_09.pdf
  6. 2022-04 DAV e.V. – DAV-Kompass – Der Weg zum nachhaltigen Gesundheitssystem – S. 7

Autor & PKV Experte

Walter Benda

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