PKV-Besonderheiten für Beamtenanwärter und Referendare
Die Anwärter-Tarife sind als sogenannte Einsteigertarife kalkuliert, d. h. Sie bilden noch keine Alterungsrückstellungen. Dies wird gemacht damit sie preislich attraktiv zur gesetzlichen Krankenkasse sind. Nach der „Ausbildung“ werden Sie in Normaltarife umgewandelt, die Alterungsrückstellungen enthalten. Sie werden dadurch teurer, bleiben aber fast immer günstiger als die gesetzliche Krankenkasse Einsteigertarife dürfen maximal bis zum 39. LJ angeboten werden.1
Bitte wählen Sie Ihren Schutz als Anwärter bzw. Referendar danach, wie Sie langfristig versichert sein wollen! Gleiches gilt für junge Polizisten, Feuerwehrleute oder Soldaten.
Einige Ausbildungstarife der PKV sind Mogelpackungen. Es sind Schaufenstertarife, die gut aussehen, um den jungen Kunden zu ködern, hoffend dass diese später nicht mehr wechseln können oder wollen. Die guten Angebote der Ausbildungstarife sind selten die besten Angebote für ein komplettes Leben! Nur weil der Ausbildungstarif gut ist, muss der dahinterstehende Tarif es nicht sein.
Auch die beiden größten Beamtenversicherer – Debeka & Deutsche Beamtenversicherung – bilden hier keine Ausnahme. Prüfen und vergleichen Sie!
Im Studium sollte der Krankenversicherungsschutz schon durch eine Anwartschaft bzw. einen Optionstarif gesichert werden. Quasi eine Krankenversicherung auf Stand-By. Hierbei wird der aktuelle Gesundheitszustand gesichert und gilt unverändert bei Umstellung in eine „aktive“ Krankenversicherung zu Beginn des Referendariats. Die Kosten hierfür liegen zwischen 1 EUR (oft Sondertarife für Lehrer, z. B. 1,50€/Monat für den OTB der Alte Oldenburger bis zum 37. LJ)2 bis max. 15 EUR monatlich, bei älteren Studierenden.
Die „typische“ Beamtenlaufbahn gliedert sich in drei Schritte, wobei nur im ersten Schritt ein PKV-Abschluss ohne Verlust möglich ist. Je früher der Abschluss erfolgt, umso günstiger sind die Prämien auf die Lebenszeit betrachtet. Daher empfiehlt sich von Anfang an die Entscheidung auf Lebenszeit zu optimieren.
Einige PKVUs bieten keine vergünstigten Anwärter-Tarife an, könnten aber dennoch auf Lebenszeit die bessere Option sein, z. B. Alte Oldenburger oder Deutscher Ring (Stand 2022-07). In solchen Ausnahmefällen sollte ein günstiger Anwärter-Tarif beim Wettbewerb mit gleichzeitiger Option für die Alternativanbieter (z. B. Alte Oldenburger oder Deutscher Ring) abgeschlossen werden. Bitte beachten Sie, dass nur wenige PKV diese Kombination im Sinne der Versicherbarkeit anbieten.
Nach Wissen des Autors bieten zzt. (Stand 2023-10) nur die Alte Oldenburger, AXA und Barmenia eine befristete Option für Beamte an, die während der Anwärter-Zeit anderweitig PKV-Versicherte sind. Meist beträgt die Laufzeit nur zwei Jahre und kann nur in Ausnahmefällen verlängert werden, z. B. nicht abgelegtes Staatsexamen aufgrund von Krankheit, wobei der Autor auch erlebt hat, dass gerade deshalb die Verlängerung versagt wurde.
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Beamter auf Widerruf (BaW) + Ausbildung + Ende durch Laufbahnprüfung PKV-Abschluss wird nur durch Gesundheit beeinflusst. Sofern finanzierbar, bereits mit Alterungsrückstellungen abschließen, da langfristig günstiger. Ggf. Wechseloption für Zeit als BaP oder BaL abschließen. |
PKV bildet (künftig) Alterungsrückstellungen: Wechsel anfangs verlustfrei möglich |
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Beamter auf Probe (BaP) + Ca. 3 Jahre „Probezeit“ + Beurteilungsgespräche PKV-Wechsel wird durch Gesundheit beeinflusst. Alle Tarife bilden ab dem ersten Tag BaP Alterungsrückstellungen, die nur teilweise übertragbar sind. |
PKV mit (einigen) Alterungsrückstellungen Wechsel mit Verlusten |
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Beamter auf Lebenszeit (BaL) + Ende der Probezeit + Dauerhafte Dienstverwendung Ein PKV-Wechsel wird durch die Gesundheit beeinflusst und ist nur noch mit Verlusten möglich. |
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| PKV-Abschluss frei wählbar. | PKV-Wechsel sind möglich, ggf. jedoch fragwürdig. |
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Grafik 27 – PKV-Phasen eines Beamten
Zeitlicher Verlauf von frisch PKV-Versichertem zu Altversichertem
Zeitlicher Verlauf von frisch PKV-Versichertem zu Altversichertem
PKV ohne Alterungsrückstellungen (sog. Ausbildungstarif):
Wechsel verlustfrei möglich
PKV ohne Alterungsrückstellungen (sog. Ausbildungstarif):
Wechsel verlustfrei möglich
Beamter auf Widerruf (BaW)
+ Ausbildung
+ Ende durch Laufbahnprüfung
PKV-Abschluss wird nur durch Gesundheit beeinflusst.
Sofern finanzierbar, bereits mit Alterungsrückstellungen abschließen, da langfristig günstiger.
Ggf. Wechseloption für Zeit als BaP oder BaL abschließen.
PKV bildet (künftig) Alterungsrückstellungen:
Wechsel anfangs verlustfrei möglich
Beamter auf Probe (BaP)
+ Ca. 3 Jahre „Probezeit“
+ Beurteilungsgespräche
PKV-Wechsel wird durch Gesundheit beeinflusst. Alle Tarife bilden ab dem ersten Tag BaP Alterungsrückstellungen, die nur teilweise übertragbar sind.
PKV mit (einigen) Alterungsrückstellungen
Wechsel mit Verlusten
Beamter auf Lebenszeit (BaL)
+ Ende der Probezeit
+ Dauerhafte Dienstverwendung
Ein PKV-Wechsel wird durch die Gesundheit beeinflusst und ist nur noch mit Verlusten möglich.
PKV-Wechsel oft nachteilig. Möglichst vermeiden!
PKV-Wechsel oft nachteilig. Möglichst vermeiden!
Nur weil ein späterer Wechsel theoretisch möglich ist, ergibt es nicht zwingend einen Sinn. Mit jedem verstrichenen Jahr wird ein Wechsel unwahrscheinlicher (Gesundheitsfragen) und teurer (Eintrittsalter; Mehrheitlicher Verlust der Alterungsrückstellungen), womit er nur in sehr begründeten Ausnahmefällen Sinn ergibt.
Grundsätzlich gilt: Wählen Sie nach Ihrem Bedarf und nicht nach dem, was andere versichert haben oder wo diese versichert sind!
Spar-Tipp für die Öffnungsaktion bei Anwärtern
Leider bieten nicht alle PKV die Öffnungsaktion für Anwärter an, z. B. Barmenia (einst bester Anbieter in der Öffnungsaktion) seit 07.2022 nicht mehr. Andere PKV bieten nur Tarife mit (anteiligen) Alterungsrückstellungen an, was diese teurer macht, z. B. Allianz, Deutscher Ring etc.
Die Öffnungsaktion muss im Rahmen der ersten sechs Monate beantragt werden, der Versicherungsbeginn darf aber in der Zukunft liegen. So wäre es möglich, dass ein Anwärter im sechsten Monat die Öffnungsaktion beantragt, welche erst in sechs Monaten aktiv würde. Damit lässt sich im Einzelfall bis zu 11 Monate lang eine günstigere GKV-Prämie fortführen.
Bitte fragen Sie dies immer vorher an, denn die Regeln ändern sich gelegentlich und Sie erhalten keine zweite Chance! Anbei ein Beispiel der Anfrage und der Bestätigung.
| 2023-08-02 Anfrage Deutscher Ring | 2023-08-03 Antwort Deutscher Ring3 |
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| SgDuH, eine junge Dame kann gem. Risikovoranfrage nur via Öffnungsaktion in die PKV. Wenn Die Verbeamtung zum 01.08.2023 erfolgt, könnten wir im 12.2023 (6. Monat) einen Antrag mit max. 6 Monaten Vordatierung zum 01.05.2024 stellen, damit der Wechsel möglichst spät erfolgt, jedoch noch im sechsmonatigen Fenster der Erstverbeamtung liegt? Danke für die Auskunft. MfG | Sehr geehrter Herr Benda, Sie erhalten die gewünschten Informationen. Maßgeblich für die Wahrung der Fristen ist die Antragstellung und nicht der Versicherungsbeginn. D. h. die Antragstellung im Dezember 2023 ist möglich. Sie brauchen noch weitere Informationen? Bitte rufen Sie uns an – wir helfen Ihnen gerne! MfG |
Was passiert, wenn nach dem „Ref“ Arbeitslosigkeit droht?
In fast allen Fällen eine Pflichtversicherung in der GKV! Die Beihilfen während des „Ref“ gelten als „sonstige“ Einnahmen jedweder Art und damit als Arbeitsentgelt.4 Damit ist die Mindestpflichtversicherungszeit von zwölf Monaten erfüllt, welche einen Anspruch auf die Pflichtversicherung auslösendes Arbeitslosengeld I begründen.5 Dabei wird mit Bestehen des zweiten Staatsexamens ein Ende der öffentlich-rechtlichen Ausbildung angenommen.6
Achtung: Spätberufene oder Wechsler aus anderen Laufbahnen erfüllen die zwölf Monate ggf. nicht, womit keine Pflichtversicherung durch Arbeitslosigkeit eintreten könnte. Wenn dann kein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis oder eine Immatrikulation vorliegen, könnten die nicht subventionierten PKV-Beiträge teuer werden.
Zum Ende des „Ref“ sollte daher ALG1 beantragt werden. Klug ist es vorher eine GKV zu wählen, sonst sucht das Amt eine aus, wobei dies zumeist die zuständige AOK oder die letzte GKV vor dem „Ref“ ist.
Mit der ALG-Bescheinigung kann die PKV außerordentlich gekündigt werden, wobei sie auf Anwartschaft gesetzt werden sollte, um später ohne Gesundheitsfragen zurückkehren zu können.
PKV-Besonderheiten für Pensionäre, Rentner und Ehepartner
Viele pensionierte Beamte erhalten eine erhöhte Beihilfe in der Pension, z. B. 70% für Beihilfeempfänger oder deren Ehepartner in NRW.7 Die Regeln sind unterschiedlich, je nach Beihilfe. Wichtig ist, dass Ihr Ehepartner grundlegend Beihilfe fähig ist, wenn bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden, z. B. 18.000€ in NRW im Jahr vor der Antragsstellung.8 Daraus lassen sich zwei Dinge ableiten:
Sie sollten dringend einen Optionstarif für den Ehepartner abschließen, denn der Eintritt in die PKV mit 70% Beihilfe ist trotz hohen Alters oft eine bezahlbare Option. Speziell wenn der Partner zwischenzeitlich schwer oder chronisch krank wurde.
Durch kluge Rentengestaltung kann ggf. die Beihilfe erreicht werden, indem die Beihilfe-Grenze unterschritten wird. So könnten beispielsweise gesetzliche Renten früher oder später beantragt werden, betriebliche Altersvorsorge zu einem anderen Zeitpunkt ausgezahlt werden usw. usf.
Sie sollten dringend einen Optionstarif für den Ehepartner abschließen, denn der Eintritt in die PKV mit 70% Beihilfe ist trotz hohen Alters oft eine bezahlbare Option. Speziell wenn der Partner zwischenzeitlich schwer oder chronisch krank wurde.
Durch kluge Rentengestaltung kann ggf. die Beihilfe erreicht werden, indem die Beihilfe-Grenze unterschritten wird. So könnten beispielsweise gesetzliche Renten früher oder später beantragt werden, betriebliche Altersvorsorge zu einem anderen Zeitpunkt ausgezahlt werden usw. usf.
Bitte beachten Sie jedoch, dass wenn Sie sich scheiden lassen, der Ex-Ehepartner die Beihilfe-Fähigkeit verliert. Ist dieser erst im Rentenalter in die PKV gewechselt, würde jener vermutlich zu einem der tragischen Fälle mit teuren Beiträgen, teils jenseits der tausend Euro monatlich.
PKV-Besonderheiten für Professoren und Doktoranden
Diese Berufe haben mehrere grundlegende Probleme. Zum einen sind die Erwerbsbiografien unstetig, da zwischen Hochschulen, Projekten und privaten Arbeitgebern oft ein Wechsel herrscht, weshalb eine sehr flexible PKV notwendig ist. In Bezug auf eine etwaige KVdR-Pflichtmitgliedschaft erschwert sich die Prüfung.
Zum anderen ergibt sich selbst bei passender Flexibilität das Problem der passgenauen Versicherung im Bereich der Einkommensabsicherung. Ein Beamter bekommt seine Grundbesoldung ohne „Dienste“ zeitlich unbefristet weitergezahlt. Aber das Einkommen dieser Berufe setzt sich nur selten aus dem Einkommen der Hochschule zusammen, da idR noch Projekte, Firmenbeteiligungen sowie dritte Auftraggeber maßgeblich hinzukommen. Aufgrund der im Vergleich geringen W-Besoldung mit nur drei Erfahrungsstufen,9 werden Professoren von Hochschulen in der Praxis sogar zu privatwirtschaftlichem Engagement „animiert“, wobei dies stark von Fach und Hochschule abhängt. Diese Nicht-Hochschul-Einnahmen sind schwierig abzusichern. Oft muss auch daran gedacht werden, dass etwaige Krankentagegelder in Anwartschaften umwandelt werden müssen. In der Praxis kam es vor, dass die Ernennungsurkunden oder Planstellen massiv verspätet ausgestellt wurden und es so teils zur Vertragsbeendigung seitens der Versicherung kam. Damit sollten Professoren und Doktoranden neben dem Krankentagegeld oder alternativ eine Dread Disease Versicherung beachten. Außerdem sollten sie nur Anbieter wählen, welche gute Tarife für Beamte und die restlichen Berufsgruppen bilden. Die beiden größten Beamtenversicherer Debeka und DBV fallen hier tendenziell negativ auf.
Die temporäre Verbeamtung birgt auch Probleme bei der Versorgung im Falle von Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit, da die Beamtenprivilegien oft noch nicht greifen. Es kommt oft zu sog. Splitting und Nachversicherung in der gesetzlichen Rente, weil die Professur meist am Lehrstuhl gekoppelt ist, womit keine Verbeamtung auf Lebenszeit einhergeht. Gleiches gilt für die Post-Doc-Stellen der Doktoranden.
Anstatt einer ggf. umständlichen Versicherung über ein KTG, kann ggf. eine BU-Versicherung mit Leistungen bei Arbeitsunfähigkeit gewählt werden, deren Bestand unabhängig von Dienstherren oder Arbeitgebern ist.
Quellenangaben
- §10 IV VAG Prämienberechnung https://www.gesetze-im-internet.de/kvav/__10.html
- 2024-09-16 Alte Oldenburger KV AG – E-Mail Neu: Optionstarif OTB / DKM 2024
- 2023-08-03 Signal Iduna KV AG – SIPID – KV – Frage zu Antragszeiten Öffnungsaktion Beamte Niedersachsen
- §14 SGB IV Arbeitsentgelt https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/__14.html
- §142 SGB III Anwartschaftszeit https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__142.html
- 2021-05-12 BSG – B 11 AL 6/20 R https://www.bsg.bund.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2021/2021_05_12_B_11_AL_06_20_R.html
- §12 BVO NRW – Bemessung der Beihilfen https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_detail?sg=0&menu=0&bes_id=13164&anw_nr=2&aufgehoben=N&det_id=593551
- 2020-01 Landesamt für Besoldung und Versorgung NRW – Merkblatt Beihilfe für Nordrhein-Westfalen https://www.finanzverwaltung.nrw.de/sites/default/files/asset/document/merkblatt_land.pdf
- 2022-12 Deutscher Hochschulverband – Die Grundbesoldung der Besoldungsordnung W https://www.hochschulverband.de/fileadmin/redaktion/download/pdf/besoldungstabellen/grundgehaelter_w.pdf

