Anbei Beispiele, warum Kennzahlen für den Verbraucher kaum einen Wert haben.
Beispiel Bestandsprovision für die Vertragsbetreuung: Diese Kosten finden sich nicht in den berücksichtigungsfähigen Zuschlägen, die Abschlusskosten aber schon.1 Handelt es sich um eine Abschlussprovision oder wird es – damit die Kennzahl schöner aussieht – als Aufbauzuschuss aus den Verwaltungsgeldern als getarnte Abschlussprovision gezahlt?2 Eine kreative Buchführung ist möglich, branchenintern auch Verschiebebahnhof genannt.
Beispiel Beitragsanpassungen der Vergangenheit: Nicht nur, dass jeder Tarif einer jeden Kohorte einzeln betrachtet werden muss. Was sagt die durchschnittliche Beitragsanpassung über Ihren Tarif? Nicht viel! Vergleichen Sie dazu die BAP der Central3 (die mittlerweile Generali4 heißt) aus 2013, dem schlechtesten Jahr der Firmengeschichte. Die Central wird von vielen Marktteilnehmern schlecht gemacht, weil sie nicht mehr mit freien Vermittlern arbeitet, sondern mit einem als bestenfalls fragwürdig zu bezeichnendem Vertrieb, der deutschen Vermögensberatung (DVAG). Aber seit dem o. g. großen Aderlass sind auch deren Kennzahlen wieder marktüblich. Selbst innerhalb der gleichen Tarifserie gibt es große Unterschiede, so dass eine einzelne Kennzahl keine Aussagekraft hat.
Beispiel Zahlungsfähigkeit der Versicherungen bei unvorhergesehenen Ereignissen: Die Basis-SCR-Quote soll die Zahlungsfähigkeit von Versicherungen unter Extremszenarien ausdrücken.5 Schaut man sich die 2018er Zahlen der PKV an, liegen alle über 100%, der schlechteste (!) Vollversicherer bei 300%. Die besseren liegen bei bis zu 1000%. Der beste Anbieter wäre die Ottonova mit ca. 2000%,6 weil diese als Neugründung keine kranken Altbestände hat, die im Rahmen der Szenarioanalyse negativ zu Buche schlagen. Die Stress-Szenarien sind dabei fragwürdig. Durch Solvency-Vorgaben sind die Aktienquoten niedrig, womit der Kurseinbruch geringe Auswirkungen hat. Da Krankenversicherung künftige Beitragssteigerungen nicht bepreisen und Großschäden „kupieren“ (mathematisches Verfahren zur Begrenzung extremer Kosten), sind die Auswirkungen von Epidemien, Massenunfällen oder Katastrophen auch fragwürdig.7 Mit den Informationen ist daher wenig anzufangen.
Beispiel Alterungsrückstellungen: Die PKV darf die Summe der Alterungsrückstellungen in der Bilanz mit null werten, obwohl sie in der Praxis negativ ist, etwa wegen der Abschlusskosten.8 Alternativ kann das arithmetische Mittel der Einzelalterungsrückstellungen für gerundete Versicherungsjahre via Näherungsverfahren verwendet werden.9 Damit ist die Transparenz bei stark wachsenden PKVU sowie bei jungen PKVU nicht gegeben.
Beispiel RfB: Eine Senkung der Alterungsrückstellungen wird als Ertrag bezeichnet, eine Erhöhung hingegen als Aufwendung.10 Durch geschickte Wortwahl kann so ein falsches Bild erzeugt werden, denn folgende Formulierung klingt umgangssprachlich gut, ist aber fachsprachlich schlecht, wenn man die o. g. Benennungen kennt: „Wir haben die Erträge bei den Alterungsrückstellungen erhöht sowie gleichzeitig die Aufwendungen reduziert.“ Effektiv besagt dieser Satz, dass weniger Alterungsrückstellungen vorhanden sind.
Beispiel Abschlusskostenquote: Stellt eine Versicherung das Neugeschäft (zeitweise) ein, steigt die Abschlusskostenquote automatisch, weil die gezillmerten Kosten auf weniger Beiträge verteilt werden. Zudem wird sie regelmäßig mit der Provision in Verbindung gebracht, wobei von steigenden Abschlusskostenquoten die Rede ist.11 Das insofern Unsinn, als dass im Kapitel Provision darauf hingewiesen wird, dass Großvertriebe inkl. einiger Maklerpools über bilanzielle Umbenennung zusätzliche Abschlussprovisionen erhalten, obwohl nahezu in allen Tarifen die maximal erlaubten Abschlusskosten einkalkuliert sind, die unter dem liegen, was die Großvertriebe ausgekehrt bekommen.
Beispiel Bestandsprovision für die Vertragsbetreuung: Diese Kosten finden sich nicht in den berücksichtigungsfähigen Zuschlägen, die Abschlusskosten aber schon.1 Handelt es sich um eine Abschlussprovision oder wird es – damit die Kennzahl schöner aussieht – als Aufbauzuschuss aus den Verwaltungsgeldern als getarnte Abschlussprovision gezahlt?2 Eine kreative Buchführung ist möglich, branchenintern auch Verschiebebahnhof genannt.
Beispiel Beitragsanpassungen der Vergangenheit: Nicht nur, dass jeder Tarif einer jeden Kohorte einzeln betrachtet werden muss. Was sagt die durchschnittliche Beitragsanpassung über Ihren Tarif? Nicht viel! Vergleichen Sie dazu die BAP der Central3 (die mittlerweile Generali4 heißt) aus 2013, dem schlechtesten Jahr der Firmengeschichte. Die Central wird von vielen Marktteilnehmern schlecht gemacht, weil sie nicht mehr mit freien Vermittlern arbeitet, sondern mit einem als bestenfalls fragwürdig zu bezeichnendem Vertrieb, der deutschen Vermögensberatung (DVAG). Aber seit dem o. g. großen Aderlass sind auch deren Kennzahlen wieder marktüblich. Selbst innerhalb der gleichen Tarifserie gibt es große Unterschiede, so dass eine einzelne Kennzahl keine Aussagekraft hat.
Beispiel Zahlungsfähigkeit der Versicherungen bei unvorhergesehenen Ereignissen: Die Basis-SCR-Quote soll die Zahlungsfähigkeit von Versicherungen unter Extremszenarien ausdrücken.5 Schaut man sich die 2018er Zahlen der PKV an, liegen alle über 100%, der schlechteste (!) Vollversicherer bei 300%. Die besseren liegen bei bis zu 1000%. Der beste Anbieter wäre die Ottonova mit ca. 2000%,6 weil diese als Neugründung keine kranken Altbestände hat, die im Rahmen der Szenarioanalyse negativ zu Buche schlagen. Die Stress-Szenarien sind dabei fragwürdig. Durch Solvency-Vorgaben sind die Aktienquoten niedrig, womit der Kurseinbruch geringe Auswirkungen hat. Da Krankenversicherung künftige Beitragssteigerungen nicht bepreisen und Großschäden „kupieren“ (mathematisches Verfahren zur Begrenzung extremer Kosten), sind die Auswirkungen von Epidemien, Massenunfällen oder Katastrophen auch fragwürdig.7 Mit den Informationen ist daher wenig anzufangen.
Beispiel Alterungsrückstellungen: Die PKV darf die Summe der Alterungsrückstellungen in der Bilanz mit null werten, obwohl sie in der Praxis negativ ist, etwa wegen der Abschlusskosten.8 Alternativ kann das arithmetische Mittel der Einzelalterungsrückstellungen für gerundete Versicherungsjahre via Näherungsverfahren verwendet werden.9 Damit ist die Transparenz bei stark wachsenden PKVU sowie bei jungen PKVU nicht gegeben.
Beispiel RfB: Eine Senkung der Alterungsrückstellungen wird als Ertrag bezeichnet, eine Erhöhung hingegen als Aufwendung.10 Durch geschickte Wortwahl kann so ein falsches Bild erzeugt werden, denn folgende Formulierung klingt umgangssprachlich gut, ist aber fachsprachlich schlecht, wenn man die o. g. Benennungen kennt: „Wir haben die Erträge bei den Alterungsrückstellungen erhöht sowie gleichzeitig die Aufwendungen reduziert.“ Effektiv besagt dieser Satz, dass weniger Alterungsrückstellungen vorhanden sind.
Beispiel Abschlusskostenquote: Stellt eine Versicherung das Neugeschäft (zeitweise) ein, steigt die Abschlusskostenquote automatisch, weil die gezillmerten Kosten auf weniger Beiträge verteilt werden. Zudem wird sie regelmäßig mit der Provision in Verbindung gebracht, wobei von steigenden Abschlusskostenquoten die Rede ist.11 Das insofern Unsinn, als dass im Kapitel Provision darauf hingewiesen wird, dass Großvertriebe inkl. einiger Maklerpools über bilanzielle Umbenennung zusätzliche Abschlussprovisionen erhalten, obwohl nahezu in allen Tarifen die maximal erlaubten Abschlusskosten einkalkuliert sind, die unter dem liegen, was die Großvertriebe ausgekehrt bekommen.
Das Thema Kennzahlen ist so komplex, dass bestenfalls Wirtschaftsprüfer sowie Bilanzbuchhalter gewisse Aussagen treffen sollten. Diese lassen aber keine relevanten Rückschlüsse auf Tarife zu! Vergleichen Sie dazu die Ergebnisentstehung sowie -verwendung, wie Sie im Kennzahlenkatalog der PKV12 steht. Selbst wenn Sie alle Kennzahlen kennen würden, wüssten Sie nicht wie diese im Wettbewerb einzuordnen sind, noch könnten Sie diese in Relation zu Ausgaben, zur Tarifkalkulation o. Ä. setzen. Versuchen Sie beispielsweise die Ergebnisentstehung und -verwendung ins Verhältnis zu den dort abgebildeten Kennzahlen zu setzen.
Grafik 144 – PKV Verband – Kennzahlenkatalog der PKV S313
Außerdem wären für eine Bewertung eine Vielzahl hochsensibler Angaben notwendig, die nicht an die Vermittler gelangen, weil sie direkt über das MVP-Portal der BaFin14 intern gemeldet werden. Gleiches gilt für diverse andere Kennzahlen, etwa der Rentabilität bestimmter Kundenportfolios, da die PKVU unter dem Deckmantel des Europa- sowie Kartellrechts diverse Angaben – bspw. zu Prämiensätzen – nicht veröffentlichen müssen bzw. dürfen.15
Der Schutz der PKV-Kalkulation reicht so weit, dass selbst bei Gericht ein Beweisverwertungsverbot zur Überprüfung der Unterlagen zur Beitragskalkulation ausgesprochen wird, wenn die Kläger nicht persönlich erscheinen, sondern „nur“ Rechtsanwälte sowie öffentlich bestellte Sachverständige Einsicht erhalten sollen; denn diese können trotz ihrer rechtlichen Neutralität keine Geheimhaltungserklärung für den Kläger abgeben.16
Augenscheinlich logische Folgerungen müssen nicht richtig sein.
Quellenangaben
- §8 KVAV Grundsätze für die Bemessung der sonstigen Zuschläge http://www.gesetze-im-internet.de/kvav/__8.html
- §43 IV S. 2 RechVersV Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb für eigene Rechnung https://www.gesetze-im-internet.de/rechversv/__43.html
- „ohne Datum“, Aufruf 2020-09-18 BAP-Guide 2013 Central http://www.bap-guide.de/central.html
- 2020-06-19 Versicherungsbote – Aus Central wird Generali https://www.versicherungsbote.de/id/4894459/Aus-Central-wird-Generali-Krankenversicherung/
- 2017-05-18 GDV – Kapitalanforderungen unter Solvency II – Fragen und Antworten zu Bedeckungsquoten, SCR und Co https://www.gdv.de/de/themen/news/fragen-und-antworten-zu-bedeckungsquoten–scr-und-co-11412
- „ohne Datum“, Aufruf 2021-04-05 ISS Software GmbH – Ticker – Laufende Erfassung der Solvenzquoten http://solvencydata.com/ticker
- 2017-05-08 GDV – Solvency II – Das Drei-Säulenmodell https://www.gdv.de/resource/blob/9518/1770260e408adc51977766e00bfdeeea/solvency-ii-poster-data.pdf
- §25 V RechVersV Deckungsrückstellung https://www.gesetze-im-internet.de/rechversv/__25.html
- §18 S.2 KVAV Alterungsrückstellung https://www.gesetze-im-internet.de/kvav/__18.html
- 2017 Thorsten Becker – Mathematik der privaten Krankenversicherung – ISBN 978-3-658-16665-6 ISBN 978-3-658-16666-3 (eBook) DOI 10.1007/978-3-658-16666-3 – S. 250
- 2023-09-20 procontra – PKV-Abschlusskostenquote erneut gestiegen https://www.procontra-online.de/krankenversicherung/artikel/pkv-abschlusskostenquote-erneut-gestiegen
- PKV-Verband – Kennzahlenkatalog der Privaten Krankenversicherung https://www.pkv.de/service/broschueren/daten-und-zahlen/kennzahlenkatalog.pdb.pdf?dl=1
- 2016-08 PKV-Verband – Kennzahlenkatalog der PKV S3 https://www.pkv.de/service/broschueren/daten-und-zahlen/kennzahlenkatalog.pdb.pdf?dl=1
- 2021-10-10 BaFin – Elektronische Meldungen an die Versicherungsaufsicht https://www.bafin.de/DE/DieBaFin/Service/MVPportal/VA/mvp_va_node.html
- 2022-01-27 IWW – Versicherer verweigert Auskunft über Prämienhöhe aus kartellrechtlichen Gründen ‒ zu Recht? https://www.iww.de/vvp/maklerrecht/maklerrechtwettbewerbsrechtkartellrecht-versicherer-verweigert-auskunft-ueber-praemienhoehe-aus-kartellrechtlichen-gruenden-zu-recht-f142946
- 2024-09-06 OLG Bremen – Az. 3 U 42/23 https://www.juris.de/static/infodienst/autoren/D_NJRE001591128.htm

