Beitragsgarantien in der PKV: Warum sie oft nur heiße Luft sind

Beitragsgarantien in der PKV: Warum sie oft nur heiße Luft sind

Tl;dr – Beitragsgarantien sind eine sinnbefreite Volksverdummung

Beitragsgarantien in der PKV sind – frei nach dem Düsseldorfer Kabarettisten Volker Pispers – Scheiße in verschiedenen Geschmacksrichtungen! Die notwendigen Anpassungen werden nur verschoben, aber nicht aufgehoben!

Besonders dreist wird es, wenn Versicherungen bei frisch aufgelegten Tarifen damit werben. Die ottonova „musste“ 2023 mit dem Mist angefangen (vgl. Versicherungsmakler-Kollege Sven Hennig), die uniVersa „musste“ 2025 mitmachen und die LKH „musste“ es in 2026 nachmachen…

Es gibt Gründe, wieso man dies als Werben mit Selbstverständlichkeiten bewerten muss. Aber die vermeintlichen Verbraucherschützer haben hier ein blindes Auge…

Die Illusion der Stabilität

Versicherer bewerben Beitragsgarantien als Argument für die Wahl ihrer Tarife. Aber ist dem so, stimmt das, bringt das etwas? Antwort: mittel- bis langfristig bringt es fast nichts!

Die vermeintliche Sicherheit dient vor allem einem Zweck: Den Anschein von Seriosität zu erwecken und den Verkauf anzukurbeln. Denn es gibt keine Prospekthaftung bei Versicherungen. Die „Garantie“ ist fast nie verbindlicher Vertragsbestandteil, sondern eine freiwillige Zusicherung; womit sie rechtlich nicht einklagbar wäre.

Aber selbst wenn: Sie löst nicht den strukturellen Finanzierungsbedarf der Anbieter, der durch demografische Entwicklungen, medizinischen Fortschritt oder steigende Kosten unweigerlich entsteht. Die Kosten steigen; und nur weil man ein Jahr (bis X Jahre) davor verschont wird, bleibt es im Folgejahr nicht aus, sondern wird meist noch teurer!

Stattdessen gaukeln diese Verkaufstricks dem Kunden eine Scheinsicherheit vor. Böse Zungen würden behaupten, dass der Sinn aus Sicht der PKV darin liegt, einen Aufschub zu erzeugen, um Kündigungen wegen einer Beitragsanpassung zu vermeinden. Einen Aufschub bis genau zu dem Zeitpunkt, an dem ein Wechsel unwirtschaftlich wird (bspw., weil keine Ersparnis mehr möglich ist) oder unmöglich wird (z. B. wegen Gesundheitsfragen). Schätze, ich bin böse…

Wie funktionieren Beitragsgarantien?

Beitragsgarantien sind keine magische Lösung, sondern meistens eine zeitlich begrenzte Stundung, selten ein einmaliger Nachlass. Die Gesellschaften stellen Gelder als befristete Einmalzahlung statt als Ausfinanzierung bereit, um die Beitragsanpassungen für einen bestimmten Zeitraum zu vermeiden. Teilweise im Wissen um den bereits notwendigen Steigerungsbedarf…

Doch was passiert, wenn die Kosten höher steigen als geplant? Ist ja nicht so, als würde wg. Inflation (und Medizin-Inflation) ständig alles teurer, oder doch?

Fakt ist: Die Garantie ist fast nie ausfinanziert! Irgendwann folgt zwingend die Beitragsanpassung (BAP), und zwar umso drastischer, wenn die Garantiefrist erloschen ist.

Technisch wird von der Substanz gezehrt, um die Garantie zu erbringen. Die Mittel der Gesellschaft (z. B. Rücklagen für Beitragsrückerstattungen) werden angegriffen. Aber das kann man fachlich nachvollziehen, daher ist dieser Substanzangriff eher theoretischer Natur, als wirklich schlecht. Drum denke an Onkel Gerd: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul!

Der Knackpunkt bleibt die fehlende Ausfinanzierung einer unausweichlich anhaltenden Kostensteigerung, die den VN als Boomerang erreichen wird.

Warum Beitragsgarantien kein Kaufargument sind

Eine Garantie gilt nur für einen begrenzten Zeitraum. Faustregel: Wenn lange keine Beitragsanpassung stattfand, deutet das oft auf einen Sanierungsstau hin. Die Anpassung kommt dann umso sicherer (und höher).

Zudem: Ist der Tarif neu, stellt sich die Frage, wofür man eine Garantie benötigt!? Um meinen Kollegen Sven Hennig zu zitieren, der diesen Schwachsinn der uniVersa mit dem TopPrivat300 kommentierte:

Das Mindeste, was ein Neukunde erwarten darf, ist doch, dass ein neuer Tarif ausreichlich kalkuliert ist und daher keiner Garantie bedarf, oder nicht?

Das Zitat ist nur aus dem Gedächtnisprotokoll und kann bei LinkedIn nachgelesen werden; wen es interessiert.

Schauen wir uns die Beitragsgarantie der LKK für den GUK an, einen PKV-Tarif mit Erstauflage 2024-12 (vgl. Bericht Finanzwelt)

Für die ältere A-Serie und den GUP habe ich die Beitragsgarantie noch nicht geprüft, aber die Kritik gilt analog.

Toll, oder nicht? Nein! Es müsste einen gewissenhaften Aktuar sowie diverse andere Prüfinstanzen vor der Vertriebsfreigabe gegeben haben. Unter diesem Umständen damit zu werben, erinnert an die Taube, die Schach spielt…

Folgllich gilt: Eine Beitragsgarantie ist kein Qualitätsmerkmal! Beitragsgarantien sagen nichts über die langfristige Stabilität eines Tarifs aus. Sie sind eine Momentaufnahme; keine Gewähr für zukünftige Entwicklungen.

Zudem sind sie kein Bedarfsindikator! Wichtiger als eine Garantie ist, dass der Tarif zum individuellen Bedarf des Versicherten passt. Eine Garantie nützt wenig, wenn der Tarif ansonsten unpassend ist.

Zudem gibt es die Tendenz für immer kürzere Garantiezeiträume. Ersichtlich ist, dass viele Gesellschaften ihre Beitragsgarantien schrittweise verkürzen, wenn man sie mit dem Ende der 2010er Jahre vergleicht. Da dies aber verschiedene Interpretationen zulässt, will ich mich daran nicht aufhängen.

Kurzer Exkurs zur BAP und der Auswirkung von Beitragsgarantien

Da das Thema komplex ist, möchte ich hier auszugsweise eine Simplifizierung aus einem meiner PKV-Tools darstellen, dem BAP-Rechner. Die Parameter zur Nachvollziehbarkeit anbei.

Aufgrund der Art und Weise, wie die auslösenden Faktoren wirken, darf die PKV nicht jedes Jahr gleichmäßig anpassen – so wie es die GKV tut – sondern steigt eher wie eine Treppenfunktion. Ein paar Jahre nichts, dann ein größerer Sprung. Entlehnt aus der Immobilienwirtschaft, kann man von PKV-Sanierungsstau sprechen. Anbei ein Foto, wie so ein PKV-Sanierungsstau aussieht.

Selbst wenn man einmalige Finanzspritzen, z. B. in Form einer Beitragsgarantie (im o. g. Bsp. immerhin mit 5%!!!) berücksichtigt, ändert sich das zu Grunde liegende Problem nicht! Man sieht in der u. g. Grafik, dass Finanzspritzen die Anpassung zwar mindern und verschieben, aber sie lösen das Problem nicht!

Natürlich ist jedes Geld zur Senkung und Eindämmung des Beitrags willkommen, gar keine Frage. Doch die Art und Weise, wie diese Minimalauswirkung beworben wird, ist schlicht unfair, weil maximal verzerrend! Autohändler werben doch auch nicht damit, dass ein Neuwagen tatsächlich (!) mit vier Reifen oder einer Werksgarantie kommt…

Schlussfolgerung: Marketing statt Substanz

Wenn ein PKV-Tarif neu in den Vertrieb kommt, braucht es dann eine Garantie? Ich behaupte nein! Wer sich dieser Meinung anschließt, kommt auf den gleichen Rückschluss:

Es ist ein Werben mit Selbstverständlichkeiten!

Das wäre verboten. Zumindest, wenn man die Definition der IHK Frankfurt am Main zu Grunde legt. Das UWG und eine kurze Suche kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Aber wenn alle PKV so einen Scheiß machen, statt sich gegenseitig damit abzumahnen, werden am Ende Kunden sowie Vermittler für dumm verkauft!

Beitragsgarantien sind kein relevantes Entscheidungsmerkmal, sondern ein substanzarmes Werbeinstrument. Sie suggerieren Sicherheit, wo keine ist. Damit lenken sie von den eigentlichen Fragen ab:

  • Sind Einstiegspreis und Finanzierung des Tarifs marktgerecht?
  • Wie gut/fair sind die Bedingungen?
  • Passt der Tarif zu meinem Bedarf?

Die beste Garantie ist keine Garantie, sondern ein transparenter, fair kalkulierter Tarif. Und an der Stelle muss man der LKH nochmal vor den Bug schießen, denn:

Vergleichet man den GUP oder GUK beispielsweise mit ähnlichen Tarifen der Allianz (GSB), Barmenia (einsAexpert+), Deutscher Ring/ Signal Iduna (Prime) oÄ, stellt man fest, dass GUP/GUK bei gleichartiger Leistung massiv günstiger sind! Das ist nur anfänglich möglich, jedoch nicht langfristig, abgesehen davon, dass es ein unfaires Blendwerk darstellt. Ist ja nicht so, dass die DAV bereits seit 2014 frei verfügbare Informationen dazu bereitstellt

Eine Ausarbeitung dazu folgt womöglich; irgendwann. Ich verweise an der Stelle auf Lektüre qualifizierter Kollegen, welche das Thema zu billiger PKV-Tarife schon aufgegriffen haben. Gerüchteweise kann man was zur BBKK (Bayerische Beamtenkrankenkasse) zum Jahreswechsel 2025-2026 lesen… schlappe +50% in der Spitze!

Und die LKH wird hier keine Ausnahme sein, sondern wird auch massiv den Beitrag erhöhen müssen! Man verstehe mich nicht falsch, denn die Tarife sind inhaltlich ziemlich gut; eingeschränkt für Ärzte, Anwälte, Ingenieure oÄ Versorgungswerk-Mitglieder, genauer hingeschaut werden muss , weil die Regeln zur REHA, AHB und AGM nicht optimal sind.

Auch die Beitragsrückgewähr ist spannend, weil sie zurzeit (!) absurd hoch ist und man in der höchsten Stufe einsteigt. Aber da die euBR (erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung) von Überschüssen (u. a. Zinsen) abhängt, wird dieser Wert zwingend sinken. So wie es bei allen neuen PKV-Tarifen immer (!) erfolgt ist.

Die PKV-Tarife der LKH kann man zutzeit gut verkaufen, sogar ohne schlechtes Gewissen. Das tue ich auch! Allerdings weise ich auf die Nachteile hin und erkläre, was man tun kann, wenn unweigerlich die unschöne Post kommt, wo es leider heißt, dass man sich „zufällig“ verzockt hat und es leider „unerwartet+XX% teurer wird…

Aber gerade weil die LKH-Tarife grundsätzlich gut sind, ist es ein Armutszeugnis, dass sich die LKH mit derart peinlichen Garantien unnötiger Kritik aussetzt. Das hätte nicht sein müssen!

Und die Moral von der G’schicht? Wenn Du eine gute PKV-Beratung haben möchtest, die keine faulen Werbeaussagen oder billigen Verkaufstricks verwendest, frage bei mir an und buch dir einen Termin. Am besten jetzt, denn es kostet nichts extra! 😉

Autor & PKV Experte

Walter_Benda_PKV-Experte
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Walter Benda

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Walter Benda

Ein auf die PKV spezialisierter Versicherungsmakler aus Köln.

Anders. Stark anders. Ganz stark anders. Im Guten wie im Schlechten. Doch der Kontakt lohnt sich, denn er bevorzugt klare Kante statt weichgespültem Palaver; wie et in Kölle hes.

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